Dienstag, 17. Juni 2014

Hayek - "Der Weg zur Knechtschaft" - Vorwort


Mit dieser Woche startet auf dieser Seite die intensive Beschäftigung mit dem vom großen österreichisch Ökonomen Friedrich August von Hayek verfassten, bahnbrechenden Buch, "Der Weg zur Knechtschaft" (engl. Original: "The Road to Serfdom"). Mit diesem 1944 erschienenen Werk erreicht Hayeks lebenslange Auseinandersetzung mit dem Sozialismus, dem Kollektivismus und dem Totalitarismus einen ersten Höhepunkt, dem in den kommenden Jahrzehnten viele weitere folgten. Brilliant schildert Hayek den gemeinsamen geistig-kulturellen Ursprung von Sozialismus, Kommunismus und Nationalsozialismus und räumt mit dem Mythos auf, dass es sich beim Nationalsozialismus um eine dem Sozialismus/Kommunismus entgegengesetzte Strömung handle. In Wahrheit sind diese drei allesamt Ströme aus  der selben Quelle, die in Deutschland und Italien schneller als anderswo und konsequenter ihre volle Stärke erreichten und die sich alle durch die Feindschaft gegenüber der individuellen Freiheit auszeichnen. Der Sozialismus ist ebenso wie der Nationalsozialismus gegen die Werte und die Kultur des Westens gerichtet und stellt eine Gegenbewegung zur Aufklärung und zum Humanismus dar - kurz: es ist nicht übertrieben ihn als Anti-Renaissance zu bezeichnen.

Es ist erstaunlich, was man über Ideen, die als ganz logisch und selbstverständlich angesehen werden, herausfinden kann, wenn man ihren Stammbaum zurückverfolgt, wusste schon Lord Acton im 19. Jahrhundert. Hayek weist in "Der Weg zur Knechtschaft" auf die Gefahren hin, die mit der Abkehr von der Freiheit verbunden sind, mit dem Abrücken vom klassischen Liberalismus des 19. Jahrhunderts, der lange Zeit von Großbritannien ausgehend großen Einfluss auf die Welt ausgeübt hatte. Es war der Liberalismus dem wir die Menschenrecht und die Rechtsstaatlichkeit zu verdanken haben, der das Individuum ehrt und ihm die freie Entfaltung seiner selbst ermöglicht. Der Liberalismus steht auch auf dem unverbrüchlichen Standpunkt, dass der Mensch niemals als Mittel für die Interessen eines anderen (auch des Staates nicht) eingesetzt werden darf, sowie dass jeder einzelne stets als Individuum um niemals  als Teil einer Gruppe behandelt werden darf. Denken wir nur daran, wie sehr in unserer heutigen Gesellschaft im 21. Jahrhundert noch immer dagegen verstoßen wird!  Quotenregelungen, Bevorzugungen bestimmter Gruppen gegenüber anderen mögen hier als abschreckende Beispiele der Inhumanität dienen.

Wir dürfen niemals vergessen, dass der Staat kein Selbstzweck ist, sondern ein Mittel zur Wahrung der Freiheit des Individuums; der Staat darf nicht herrschen, er hat dem Menschen lediglich zu dienen, er ist Mittel und kein Zweck. Als einziger Zweck darf nur der Mensch, und zwar der Mensch als Individuum, gelten. Daraus folgt logisch auch, dass der Staat nicht sakrosankt sein darf, sondern dass auch die Möglichkeit seiner völligen Abschaffung bestehen muss, sofern die Menschheit oder eine bestimmte Gesellschaft ein besseres Mittel zur Erfüllung der Aufgaben des Staates findet.


Als "Der Weg zur Knechtschaft" 1944 in England erschien, war der Ruf nach Staatsinterventionen in Wirtschaft und Gesellschaft modern geworden. Was bis zu den 30er-Jahren undenkbar gewesen war, wurde nun von der Politik verlangt und Politiker aller Couleurs (bis auf einige Liberale) sahen es als notwendig an, dass die Wirtschaft und auch die Gesellschaft "geplant" werden müssten. Diese sozialistischen Ideen wurden auch von vielen vertreten, die sich nie als Sozialisten bezeichnet hätten. Hayek sah diese Gefahr und wies darauf hin, weshalb er sein Buch auch den "Sozialisten aller Parteien" widmete. Heute, genau 70 Jahre später, befinden wir uns wieder in einer kritischen gesellschaftlichen Situation, in der offen oder unterschwellig wieder viele Forderungen gestellt werden, die damals bereits aktuell waren. So wird auch heute generell nach mehr Staat und Regulierung gerufen - wieder von Politikern fast aller Parteien. Es scheint wieder völlig logisch zu sein, dass der Staat stärker in das Leben eingreifen müssen und wie immer wird dies mit den Schlagworten "Gerechtigkeit", "sozialer Ausgleich" und dergleichten rationalisiert. Hinzu kommen noch die Idealisten, die scheinbar so noble Ziele vertreten wie den Planeten zu retten, die Armut zu beseitigen und ganz allgemein eine bessere Gesellschaft zu schaffen. Freilich vergessen sie dabei welchen Zwang dabei auf die Menschen ausgeübt werden muss, die diese Ziele persönlich nicht teilen. Wieder gilt, wie schon in den 40ern, dass diejenigen die solche Ziele anstreben sie nie anstreben würden, wenn sie in vollem Ausmaße begriffen welche Maßnahmen dazu umzusetzen wären! Das größte Problem dabei ist heute wie damals der Verlust der Freiheit. 

Freiheit bedeutet ja in Wahrheit die Abwesenheit von Zwang und nicht, dass man von der Tragung von Kosten befreit wird. Wer unter Freiheit "Freibier" oder "freie Versorgung für alle" versteht, der meint damit nicht Freiheit, sondern Ausbeutung anderer. Diese "Wohltäter" tun genau das, was sie den scheinbar so gierigen Kapitalisten (besonders Bankern, Spekulanten, Konzernen etc.) vorwerfen - sich auf Kosten anderer zu bereichern. Es ist das alte "Robin-Hood-Verbrechen" jenen zu nehmen die etwas haben und es jenen zu geben die nichts haben - die Ausbeutung der Besitzenden durch die Nichtbesitzenden.  Eines fürfen wir nie vergessen: es gibt auf dieser Welt nichts umsonst und wenn jemand für eine Leistung nichts bezahlen muss, dann tut es eben ein anderer und wenn dieser nicht freiwillig zustimmt, dann muss er dazu gezwungen werden! Die logischen Folgen einer geplaten Gesellschaft ist immer der Totalitarismus - auch solche Dinge, wie den "Schutz des Planeten" wird man nicht ohne Zwangsmaßnahmen in das Leben der Menschen durchführen können. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese Maßnahmen sehr total sein werden müssen. Freilich wird dann mit "Notwendigkeiten", dem "Guten" oder "der lebenswerten Welt für unsere Kinder und Enkel" argumentiert werden. Doch lassen wir uns davon nicht täuschen. Dies alles ist nichts anderes, als ein Angriff auf die Freiheit des Individuums! Der Zweck heiligt niemals die Mittel. Ein edles Ziel kann niemals edel sein, wenn man dazu Zwangsmaßnahmen anweden muss, wenn man dazu die Freiheit des Einzelnen einschränken muss! Nach Zwang zu schreien stimmt mit den primitiven Emotionen des Menschen zusammen, die aus der Steinzeit stammen. In der heutigen moderen, komplexen Welt können uns diese Emotionen über einen kleinen sozialen Rahmen hinaus keine Dienste mehr leisten, hier sind ausschließlich Verstand, vernetztes Denken und subtiles und sophistisches Verstehen von Nutzen.

Niemals darf vergessen werden: Die Freiheit ist kein Mittel, sondern sie ist Selbstzweck - der höchste Selbstzweck überhaupt, denn sie ist der Kern der menschlichen Natur selbst. Die Freiheit darf niemals durch ein Ideal, wie edel es auch sein mag, beschnitten werden, vor ihr muss alles andere weichen.

In den kommenden Wochen werden hier die 15 Kapitel von Hayeks Buch zusammengefasst und einzeln erläutert werden, beginnend mit Kapitel 1 noch diese Woche. Im Abstand
von etwa ein bis zwei Wochen folgen dann jeweils die folgenden Kapitel in der Reihenfolge, wie sie sich auch in Hayek's Werk finden.

Euer Sokrates.

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