Mittwoch, 23. April 2014

Des Kaisers größter Feldherr

xAm Höhepunkt seiner Karriere gehörte er zu den meist bewunderten Männer seiner Zeit. Er hatte militärischen Erfolg an Erfolg gereit, sich als Staatsmann, als umfassend gebildeter Zeitgenosse, der sich für Philosophie und Wisseschaft interessierte, einen Namen gemacht und bereicherte überdies die abendländische Kultur mit den herrlichen Bauwerken, seinen Schlössern, die er sich errichten  ließ. König wie Ludwig XIV. und Friedrich der Große bewunderten ihn und besonders im deutschen Raum wurde sein Name zum Synonym  für einen erfolgreichen, ja übergroßen, Feldherrn. Österreich und Deutschland ließen noch im 20. Jahrhundert Kriegsschiffe nach ihm  benennen: Prinz Eugen von Savoyen.







I. EIN PRINZ VON SCHMÄCHTIGER GESTALT
Alles hatte denkbar schlecht begonnen: Obwohl aus hochadeliger Familie stammend, mit Vorfahren sowohl aus dem spanischen, als  auch aus dem französischen Königshaus, sprach alles gegen eine Karriere des jungen Savoyers. Er war von sehr kleiner Gestalt, kaum größer als 1,5 Meter groß, ein sehr kränkliches Kind und zu allem Übel noch mit einem hässlichen Äußeren gestraft: Stumpfnase, große  Schneidezähne, überhängende Augenlider - alles in allem war er eine grauenhafte, gnomenhafte Erscheinung, die bei Hofe verachtet und missachtet wurde. So entschloss sich die Familie, den am 18. Oktober 1663 in Paris geborenen Spross der Kirche zu übergeben - eine  geistliche Laufbahn schien noch das Aussichtsreichste für den jungen Mann. Alleine er selbst wollte nicht. Zwar erheilt er früh die Tonsur,  lehnte sich jedoch innerlich dagegen auf und strebte weiterhin eine große weltliche Karriere an. Unbeirrt glaute er stets daran zu Höherem berufen zu sein - ein Glauben, den niemand mit ihm teilte. Der Prinz verfügte jedoch über Eigenschaften, die zeitlebens in auszeichnen sollten: großer Mut, einen sehr weiten geistigen Horizont, sowie ein wildes Draufgängertum. Obwohl ein Haudegen, hatt diese Kühnheit, wie bei  Alexander dem Großen Methode; sie war keine Schwäche, die sich aus einer überschäumenden Lebensenergie und wenig Versand speiste.  Ganz im Gegenteil, Prinz Eugen war ein "honnête homme" par excellance, der Nachfolger des "Renaissance-Mannes" im 17. Jahrhundert,  so wie ihn Baldassare Castiglione in seinem Buch "Vom Hofmann" geschildert hatte: Umfassend gebildet, versiert im Umgang mit Menschen, offen für wissenschaftliche und technische Neuerungen. Der Prinz hatte besaß ein ausgesprochenes Talent für Mathematik.

Im Frühjahr 1683 schritt der Prinz zur großen Tat. Er bat in einer Audienz bei König Ludwig XIV. um die Aufnahme in die königliche Armee, was der König mit Geringschätzung ablehnte. Zu schmächtig, zu schwach für einen Mann des Krieges erschient dem Sonnenkönig der Zwerg. Ludwig
was schließlich der mächtigste König des 17. Jahrhunderts und ein Großteil seiner Macht stützte sich auf seine Streitkräfte. Tief gekränkt flieht Prinz Eugen aus Frankreich und schwört, dass er nur "mit dem Schwert in der Hand" ja wieder nach Frankreich zurückkehren würde.

II. EIN LEBEN IM DIENSTE DES KAISERS
1683 wurde Wien von den Türken belagert und der in Bedrängnis geratene Habsburger-Kaiser Leopold I. konnte jede nur erdenkliche Hilfe gebrauchen.  Als nun der "Flüchtling" aus Frankreich, dieser hässliche Gnom aus dem Geschlecht der Savoyer, sich anbot in österreichische Dienste zu treten, wurde  er sofort angenommen. Zusammen mit Herzog Karl von Lothringen kämpfte sich Prinz Eugen nun vom Kahlenberg hinunter bis in die Stadt Wien durch. Er  wurde bald zum Oberst befördert und war von nun an an jedem Krieg seiner Zeit, von 1683 bis kurz vor seinem Tod 1736 beteiligt. Selbst noch 1735 war  er im polnischen Erbfolgekrieg aktiv gesesen.

Die militärische Stoßrichtung ging nun gegen den Balkan. 1687 wurde Eugen zum Feldmarschallleutnant und mit dem Goldenen Vlies ausgezeichnet. 1697 wurde er Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee. Sieg an Sieg reihte der große Feldherr; im Friede von Karlowitz 1699 räumten die Türken Ungarn und  Siebenbürgen - Österreich stieg nun endgültig zur Großmacht auf. 

Dann, 1701, bracht der Spanische Erbfolgekrieg zwischen Frankreich und Österreich aus. Der Konflikt weitete sich bald zu einem gesamteuropäischen Krieg aus, in den die anderen Großmächte involviert waren. Bald stehen Österreich, England, Schweden, Preußen und das Deutsche Reich gegen Frankreich - nur Bayern  stellt sich auf die Seite Ludwigs XIV. "Alle gegen Frankreich" lautete nun das Motto. Prinz Eugen, wie immer im Kriegsdienst, bewies auch hier sein Geschick.  Durch hervorrangende Koordination mit England, vor allem mit dem Herzog von Marlborough, John Churchill, gelang es Frankreich empfindlich zu schlagen.  Churchill errang in den Schlach bei Blenheim (dt. Blindheim) ewigen Ruhm und gilt seither als einer der ganz großen Kriegshelden Englands. Für Österreich war  es das erste Mal seit 150 Jahren, seit der Zeit Karls V., dass es Frankreich auf dem Schlachtfeld besiegen konnte. Prinz Eugen stürmte die nordfranzösische  Stadt Lille und machte damit seine Prophezeiung nur mit dem Schwert in der Hand nach Frankreich zurückzukehren, wahr. Der Sonnenkönig macht ihm Angebote  für Frankreich zu kämpfen, doch es war zu spät. Zeitlebens hatte der Prinz nur noch einen Herrn, dem er treu ergeben war: dem Kaiser. Ludwig erkannte nun  seinen Irrtum, den er vor Jahrzehnten begannen hatte, als er dem Prinzen den Dienst in seiner Armee versagt hatte. 1713/14 endete der Krieg durch die Frieden  von Utrecht und Rastatt.

Kurz darauf brach der Krieg erneut mit den Osmanen aus und Prinz eugen kämpfe wieder auf dem Balkan. 1717 errang er einen seiner größten Siege in der Schlacht  von Belgrad. Im Frieden von Pessarowitz 1718 erhielt Österreich das Banat, die kleine Walachei, Nordserbien und Teile von Bosnien. Für Österreich war es einer der größten militärischen Trimuphe aller Zeiten. Der in der Schlacht leicht am Arm verwundete Prinz Eugen zeigte sich in der Folge als Staatsmann mit Weitblick, indem  er deutsche Kolonisten in Siebenbürgen ansiedeln ließ. Diese Gruppen von Kolonisten aus dem süddeutschen Raum sollte als "Donauschwaben" bekannt werden  und bildeten noch bis ins 20. Jahrhundert hinein den wesentlichen Teil der Bevölkerung in Siebenbürgen.

Der Ruhm Prinz Eugens stand an seinem Höhepunkt, Peter der Große bot ihm sogar die polnische Krone an. Der Prinz engagierte sich in der Baukunst, ließ große Barockbauten errichten und unterstütze auch dei Wissenschaft tatkräftig. Den Philosophen Leibnitz regte er zur Erstellung seiner umfassenden Metaphysik an. Im Krieg  selbst sah der Prinz den eigentlichen Zweck im dauerhaften Frieden. Der letztgültige Sinn des Krieges besteht im Frieden. Als der Feldherr am 21. April 1736 starb,  war er längst zur Legende geworden. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass einer der größten Deutschen der Geschichte ein Franzose war, sowie dass gerade einer  der größten Feldherrn aller Zeiten einer der körperlich kleinsten war.

III. INTERPRETATION
Wir Menschen haben einen natürlichen Hang dazu Menschen nach dem Äußeren zu beurteilen. Zudem ist der erste Eindruck meist so stark, dass er sich sehr lange  hält, ja in vielen Fällen bleibt er die geistige Grundlage zur Beurteilung eines anderen, selbst über viele Jahre hinweg. Gegen diese Tendenzen muss man aktiv vorgehen.  Wir müssen uns angewöhnen uns ein Urteil über andere erst nach und nach zu bilden und der Versuchung widerstehen aufgrund eines Eindrucks oder einer Gefühlsbewegung  auf das Wesen des anderen zu schließen. Menschen nach dem Äußeren zu beurteilen ist nicht rational - die Vernunft ist aber das, was uns vom Tier unterscheidet und uns bessern handeln lässt als dieses. Menschen zu unterscheiden ist sehr gefährlich, ist meist ein Zeichen eines übergroßen Egos, verstärkt nicht selten durch eine ordentliche  Portion Arroganz. Ist ein Mensch fähig, sollten wir darauf achten, dass er für uns arbeitet, denn sonst sehen wir ihn bald bei der Konkurrenz gegen und "kämpfen", vor allem  dann, wenn wir ihn auch noch erzürnt haben. Fähige und willensstarke Menschen machen ohnehin ihren Weg, sie sind nicht aufzuhalten; es ist also besser sich ihrer zu  bedienen, als sie als Gegner zu haben.

Kriegsführung hat mit dem Geist zu tun, nicht so sehr mit der Körperkraft. Mit zunehmendem technischen Fortschritt gilt dies immer mehr und heute ist dem fast ausschließlich  so. Dami der Geist jedoch seinen Kraft voll entfalten kann, muss der Charakter geschult werden. "Herzensbildung" ist gerade im Kampf besonders wichtig. Vergessen wir nie, das das Wort "Courage" von Herzen (coer) kommt. Mut findet sich im Herz. Bei der Kriegsführung muss man sich über das Schlachtfeld erheben, das größere Geanz sehen,  sonst sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Was beim einfachen Soldaten normal ist, darf sich der General niemals erlauben. Allerdings ist der Krieg selbst in  die Welt der Politik eingebettet und auch der General muss seinen Blick noch erweitern, um selbst noch über den Krieg hinauszublicken.

Der wahre Sinn des Krieges liegt im dauerhaften Frieden. So oft dieser Satz von zynischen Menschen missbraucht wird, so sehr liegt doch im "Ci-Vis-Pacem-Para-Bellum" (Willst du Frieden bereite dich auf den Krieg vor) eine große Weisheit. Gerade die erfahrendsten Soldaten, die alten Haudegen und Veteranen sind es, die den Frieden am meisten lieben und zu schätzen wissen. Wer "Hurra Krieg!" ruft, ist noch ein Grünschnabel und weiß nicht wovon er spricht oder er hat nichts verstanden. Nach Sun Tzu gibt  es vier Arten der Kriegsführung: die edelste Art ist jene, bei der kein Blutvergießen stattfinden; die zweitedelste ist jene bie der Allianzen geschlossen und jene des Gegner  zerstört werden; die drittedelste Art ist die offene Feldschlacht; die schlechtetste Art der Kriegsführung schließlich ist es Städte zu belagern. Nachdem der Krieg auch heute  noch nicht von der Erde verschwunden ist, sollten wir usn zumindest bemühen, dass nur noch die erste und zwei Art der Kriegsführung nach Sun Tzu zur Anwendungen kommten.

Man darf niemals den Glauben des Menschen an seine eigenen Fähigkeiten verlieren, denn dieser kann Berge versetzen. Gerade der Glaube, der durch nichts erschüttert  werden kann, vor allem nicht durch andere Menschen, ist der größte von allen - aus ihm erwachsen die großen Taten der Menschen. Soziale Beeinflussung ist extrem gefährlich,  denn Worte von Menschen sind niemals neutral, jeder Mensch verfolgt Absichten mit seinen Aussagen. Es macht im Allgemeinen wenig Sinn auf "Ratschläge" anderer zu hören, vor allem dann nicht, wenn diese ungefragt erteilt werden. Am besten ist es solche zu ignorieren. Worte sind selten wahr, eine Spur von Unwahrheit findet sich bei den meisten.  Was jedoch niemals lügt ist die Realität der Fakten. Der Glaube an sich selbst, der auf der eigenen Erfahrung und Sinneswahrnehmung, sowie jenem Bereich, den man als  "Intuition" (sprich unbewusstes Wissen) beruht, kann man trauen. Nieman kann einen Menschen aufhalten, der zu einer Sache entschlossen ist und er bereit ist jeden Preis dafür  zu bezahlen! Zähigkeit und Charakterstärke sind weitaus bedeutender als Talent. Talente kommen häufig vor, Menschen von starken Charakter hingegen sind selten. Menschen  mit einem offenen Geist können ihre Fähigkeiten oft auf viele verschiedene Bereiche übertragen. Zudem ist die starke Neigung zu einer Sache weitaus entscheidender für deren  Wahl, als das Talent, das einer besitzt. Hat einer ein Talent, fühlt sich aber zu einer anderen Sache hingezogen, für die er kein Talent besitzt, so ist es weiser sich für die Neigung und gegen das Talent zu entscheiden.


IV: LEHREN
* Beurteile Menschen nie nach dem Äußeren oder nach dem ersten Eindruck

* Charakterstärke, nicht Talent ist im Leben entscheidend, denn der Charakter, nicht das Talent, ist des Menschen Schicksal.


* Bei der Kriegsführung kommt es vor allem auf den Geist, nicht auf den Körper an.


* Erhebe dich über das Schlachtfeld, sieh das große Ganze, erweitere stets deinen Horizont.


* Der Glaube an sich selbst versetzt Berge.


* Der Sinn des Krieges besteht im dauerhaften Frieden.


* Stelle fähige Leute an, die für dich arbeiten, sonst wird es die Konkurrenz tun.


* Mit einem offenen Geist kann man Fähigkeiten in einem Bereich, den man kennt, auf einen anderen, noch unbekannten, übertragen.





Samstag, 19. April 2014

Vom unnützen Denken

x"Ein unnütz Leben ist ein früher Tod", meinte Goethe in seiner "Iphigenie auf Tauris". Wie recht der gute Mann doch hatte! Doch wo beginnt ein solch  schändliches Leben, wo entspringt seine Quelle, deren stinkene Ausgeburt sich wie ein schwarzer Pechstrom durch das Leben des Verdorbenen windet? Ich will es euch kundtun, meine Freunde, denn allzu oft trift man derartige Zeitgenossen an, heute mehr denn zu jeder anderen Zeit in der Geschichte. Damit man sich vor ihnen hüte, damit das Virus sich nicht nach und nach auf euch Tugendhaften und Fleißigen überträgt und allmählich an euch zehrt. Unglückliche  und Glücklose soll man meiden, heißt es, denn in ihrem Gejammere geht auch bald die Moral des guten Herzens dahin und alles wird von der harten  Gravitation des Pessimismus nach unbarmherzig unten gezogen. Kein hoher Gedanke, kein leichtes Gemüt ist dann mehr möglich, nur noch bleierne Schwere, die  zombihaft verwandelt, was einst blühend und prächtig gedeihend war. Gerade zu Ostern, das die brave Christenheit morgen zu feiern beliebt, soll auch für euch eine Auferstehung stattfinden - aus der Finsternis ans Licht! Vom Tod zum Leben! So ist es seit jeher des guten Mannes Art gewesen.

Das Denken ist es, meine Freunde oder das was gemeinhin als Denken bezeichnet wird, das den Ursprung, den geistigen Urknall des Kosmos, des Unnützen bildet!  Doch weit gefehlt wenn einer meint es sei dies das Ergebnis mangelnder Bildung oder gar der Erfahrung. Die Welt quillt heutzutage über von all den Gebildeten  und doch wird die Denkfähigkeit immer geringer - man schmückt sich mit Titel und Zeugnissen aller Art, doch ist man nicht in der Lage zwei und zwei zusammenzuzälen. Das Expertentum ist eine Abart des Unnützen. Der Experte liegt falscher, als der Zufall, denn er ist mit der Welt nicht verbunden. Seine  Verbundenheit besteht nur im Geiste und bloß zu seinen eigenen Gedanken. Was im Charakterlichen der Narzissmus, ist im Land des Geistes das Expertentum. Wann hat den je ein Wirtschaftsweiser die Zukunft vorhergesehen, die dann auch eingetreten wäre? Menschen, die auf Kosten der Allgemeinheit das Spiel  "Des Kaisers neue Kleider" spielen und dabei an den Fleischtöpfen sitzen, während dem Gemeinen nur das Hungerbrot bleibt, haben sich breitgemacht. "Zukunftsforschung" heißen sie es und sie sind doch nur Schalatane, Quacksalber, im besten Fall Komödianten. In der Antike gab es die Orakel, die weissagten und das menschliche Bedürfnis die Zukunft zu kennen befriedigten. Freilich hatte dies damals noch einen erhabenen Charakter: Opfer wurden feierlich erbracht, hypnotisierende Dämpfe schwängerten die Luft, Rituale zur Ergreifung der Seele  veranstaltet; doch heute gibt es nur noch einen mageren Abklatsch des Brimboriums der Altvorderen - nicht einmal mehr als Lachnummern gehen sie durch die "Experten". Weit überlegen war das Orakel dem modernen Zukunftsforscher, sowohl im Inhaltlichen, als auch im Formellen. Dieses alles ist eine Art von Denken, das zu sparen sich die Gesellschaft leisten muss.

Doch noch eine weitere Art des unnützen Denkens nenne ich euch: Es gibt da Zeitgenossen, die gar mit schwerer Miene und Gehabe, das Bedeutsamkeit vorschützen  will durch die Lande ziehen, man findet sie ihren Sermon haltend vornehmlich in den Mainstreammedien, und dabei die Menschheit belehren möchte über allerlei Bedrohliches, das  mit Sicherheit auf uns hernierderfahren würde, wenn man nicht sein Leben ändere. Das Leben ändern, vor allem jenes der anderen, das ist das Anliegen dieser Propheten - Wölfe im Schafspelz, die nicht ein Quäntchen bei sich selbst sehen aber vermeinen die Welt wäre schlecht, das Volk dumm und einfältig und leicht  verführbar. Es sind jene Gestalten, die den Span im Auge des nächsten sehen, doch nicht den Balken in ihrem eigenen. Wobei meist noch der Span des anderen  im Gedanken des Propheten selbst seinen Ursprung hat. Man will heute oft nicht einmal mehr von "Bildung" sprechen, denn das, was man einstmals darunter verstand  ist längst den Bach der Geschichte hinunter gegangen. So meinten die Alten noch Bildung sei jenes Vermögen die eigene Kultur durchdringend zu verstehen und in seinem eigenen  Geist noch einmal die Gesamtheit des eigenen kulturellen Erbes abzubilden - jeder Gebildete war demnach eine "Kultur" im Kleinen. Doch davon kann heutzutage  keine Rede mehr sein. Halb- und Nichtgebildete bevölkern heute massenhaft die Lande, die meisten davon mit Hochschulabschluss (mit irgendeinem billigen Studium, das nicht viel Anstrengung erfordert). Sie haben nie zu denken gelernt, sehen die  Welt in den Bahnen, die ihnen subtil oder auch nicht eingebläut wurden. Je länger man im Schul- und Unterrichtsbereich verbringt, desto mehr wird der eigene Geist  nach den Vorgaben des jeweiligen Bildungsinstitutes geformt - von der Welt versteht man bald immer weniger (was allerdings gewollt ist denn unter dem Programm "Bildung" läuft heute die Volksverdummung). Deshalb lautet ja auch ein bekannter Rat, dass wenn einer  im Leben Erfolg haben möchte, er möglichst bald die Schule verlassen sollte. Wie wahr! Doch wie selten hört einer darauf.

Dann gibt es da die Art, die den einzelnen betrifft, und die nicht weniger beleidigend für die Vernunft ist, jedoch in ihrem Schaden meist begrenzt ist. Ich spreche von jenen, die aus Langeweile oder Vermeidung (Angst) denken, deren Leben derart schal ist, dass sie sich anstatt konkret um sich selbst und die ihren zu kümmern, sich auf die großen Probleme  der Welt und der Menschheit konzentrieren. Alles andere soll geändert werden (man selbst hingegen nicht) und man weiß auch wie es geht. Alleine, die Menschen sind ja so einfältig, böse, dumm oder man hat sie  eben einer Gehirnwäsche unterzogen. Erklärungen sind schnell zur Hand. Wenn es wirklich so etwas wie eine "Gehirnwäsche" gäbe, so wäre dies doch das Gegenteil dessen, was man landläufig darunter  versteht, denn seit wann ist eine "Wäsche" etwas Schlechtes? Wird doch dadurch der Schmutz entfernt und klares Denken sollte sich wieder einstellen. Wie dem auch  sei, dies ist nur ein Gedanken des alten Cincinnatus, denn unsere Sprache strotzt nur so von Ungereimtheiten und Widersprüchen. Denken, das unnütz, kreist um Dinge,  die mit dem eigenen Leben nicht in Verbindung stehen. Zwar sind die Gefühle vieler "Aktivisten" echt, doch sie beziehen sich nur scheinbar auf die gegenwärtige  Situation oder das eigene Denken. Vielmehr sind solche bloße Auslöser für Emotionen, die einen anderen, meist völlig unbekannten, Ursprung haben. Sentimentalität ist es, wovon ich spreche. Man sieht sie heute allerorten - gerade die Wütenden, die Unzufriedenen, die Polikanten, die Berufsdemonstranten, -kritiker und - aufklärer, das sind die Subjekte,  deren Gefühle ein Ventil gefunden haben, doch mit dem vorgegebenen Anliegen in keinerlei Beziehung stehen. Was Spinoza bereits erkannte, bewahrheitet sich immer  wieder: Nur eine affektive Einsicht is auch eine effektive Einsicht - das bloße verstandesmäßige Verstehen genügt niemals. Zuerst kommt immer das Notwendige im  eigenen Leben, dann jenes der anderen und vielleicht irgendwann das Wohl der ganzen Welt. Eine Sache dürft ihr mir niemals vergessen, meine Freunde: So sehr es stimmt, dass vor dem Handeln das Denken kommen muss, so sehr ist es auch richtig, dass das Denken ohne die Möglichkeit zu handeln dumm macht! Jawohl, sich um  Dinge zu kümmern, sich Gedanken zu machen in einem Bereich, in dem man nichts bewirken kann, weil es außerhalb der eigenen Möglichkeiten liegt, lässt den Geist  verkümmern. Wer sich immer um das Wohl der Welt kümmert, dabei aber nicht aktiv auf Grundlage dieser Gedanken handeln kann, dessen Gedanken sind schal und  oberflächlich. Seid mir nicht wie diese halten Gestalten, meine Brüder - denkt nur dort, wo ihr handeln könnt. Alles andere geht euch nichts an - es hat mit euch nichts zu tun und verdient deshalb  nicht eure wertvolle Geisteskraft.

Das waren die Gedanken eines alten Knaben zu Ostern, dem Fest der Auferstehung unseres Heilands Jesus Christus. Möge euch allen ein Licht aufgehen und wer weiß, vielleicht wird der eine oder andere zu Pfingsten sogar mit dem Heiligen Geist beseelt.


L.Q. Cincinnatus

Freitag, 11. April 2014

Die Exklusivität des Namens

EINE NONNE ALS GESCHÄFTSFRAU
xIm Jänner des Jahres 1830 erhielt eine 54-jährige Nonne aus Köln am Rhein einen Brief, der eine äußerst gute Botschaft beinhaltet. Er war vom preußischen Innenminister im Auftrag des Königs verfasst worden und enthielt die Antwort auf eine Bitte, die die Klosterfrau im November untertänigst an seine Mejastät, König Friedrich Wilhelm III., gerichtet hatte. Nun wurde ihr gestattet, den von ihr
hergestellten "Melissengeist" mit dem Wappen, dem Adler, des Preußischen König, auf den Flaschenetiketten zu versehen und damit zu kennzeichnen. Damit hatte sie ein lange verfolgtes Ziel erreicht und ihre Herstellung des "Klosterfrau Melissengeist" nahm einen gewaltigen Aufschwung. Langjährige Sorgen gehörten nun endgültig der Verangenheit an.

Was war geschenen und wie war es so weit gekommen? Schwester Maria Clementine Martin wurde 1775 in Brüssel geboren, zog mit  ihren Eltern (der Vater war Berufsoffizier) im Alter von acht Jahren ins ostfriesische Jever und trat mit 17 ins Kloster St. Anna in Coesfeld, das zum Orden der Annuntiatinnen gehörte, ein. Sie spezialisierte sich auf die Heilkunde und wurde zur Krankenschwester ausgebildet. Ein ausgesprochenes Talent besaß sie auch für die Heilkunde mit allerlei Kräutern und Rezepturen, aus denen Arzneien hergestellt wurden. Dabei kam sie auch mit streng geheim gehüteten Rezepturen in Kontakt, wie eben auch mit einem Universalmittel, das aus einem Melissengeist bestand. 1803 brach eine Katastrophe über das Kloster herein,  wie über alle geistliche Herrschaften im ganzen Deutschen Reich. Der Reichstag in Regensburg hatte mit dem Reichsdeputationhauptschluss die Auflösung bzw. Säkularisierung der geistlichen Gebiete beschlossen. Auch das Kloster in Cloesfeld wurde aufgelöst und die Nonnen damit heimatlos. Eine jahrelange Wanderschaft folgte. Als im Juni 1815 die Schlacht zwischen Napoleon und den Alliierten im belgischen Waterloo geschlagen wurde, diente Maria Clementine Martin als Krankenschwester  und zeichnete sich dabei besonders aus, so dass der preußische König ihr eine jährliche Rente von 160 Goldtalern gewährte. Die finanziellen Sorgen waren von nun an nicht mehr drückend. Als sie 1825 nach Köln kam, befand sich die Stadt in einem großen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Wirren der napoleonischen Zeit waren vorüber, der Aufbruch in das Industriezeitalter hatte begonnen und neue Unternehmen schossen, in der nun preußisch gewordenen Stadt, wie die Pilze aus dem Boden. So auch in jener Branche, in der die Klosterfrau tätig war: der Erzeugung von Duft- und Heilwässern, für die Köln schon lange berüht war (ua. etwa "4711"). Es war jedoch eine Zeit, in der es noch kaum Schutz für geistiges Eigentum gab, so  fehlt auch ein Gesetz über den Markenschutz, so dass viele sich mit jedem Namen und jedweder Bezeichnung schmückten. Die  Prozesse, die deshalb wegen Plagiatsvorwürfen und unberechtigtem Namens- und Markengebrauch geführt wurden, waren deshalb sehr zahlreich. Auch Maria Clementine blieb nicht davor verschont, dass andere sich mit ihren Etiketten schmückten und gutes Geld damit verdienten. Die Empörung war groß, nicht etwa deshalb, weil die fromme Frau reich werden wollte, sondern weil nur sie das geheime Rezept ihres Melissengeistes kannte und ausschließlich sie für dessen hohe Qualität bürgen konnte. Würde ein anderer sich mit ihrem Etikett schmücken, stellten sich die Heilerfolge nicht ein und dieser  Misserfolg würde dann wieder mit Maria Clementine in Verbndung gebracht werden.

Mitten in dieser Misere, hatte die Nonne eine Idee: Ein Etikett musste her, das niemand wagen würde zu kopieren! Wie wäre es da mit dem Wappen des Königs? Selbstbewusst schrieb Maria Clementine an seine Majestät und fügte neben ihrer Versicherung stets für König und Königshaus zu beten auch gleich Proben ihres Melissengeistes bei. Tatsächlich reagierte der protestantische König schnell und zur vollsten Zufriedenheit der katholischen Antragsstellerin. Damit war der tüchtigen Geschäftsfrau der Coup schlechthin gelungen. Von nun an würde es keiner mehr wagen seine Produkte unter dem Namen der Klosterfrau anzubieten. Trotz widerholter Versuche der Konkurrenz die Erlaubnis zum Führen des  preußischen Königswappens zu torpedieren, blieb es beim königlichen Entschluss. Das Unternehmen MCM (Maria Clementine Martin) nahm einen großen  Aufschwung und binnen eines Jahrzehnts kannte man den Melissengeist in ganz Europa. Als Maria Clementine 1843 starb, nahm halb Köln daran teil. Ihre Popularität war überaus groß. Nach ihrem Tod florierte das Geschäft immer weiter. Die rechtliche Situation in Bezug auf den Schutz geistigen Eigentums hingegen fristete noch ein paar Jahrzehnte ein stiefmütterliches Dasein. Erst 1874 wurde ein erstes deutsches Markenschutzgesetz verabschiedet. Das Unternehmen, das die Klosterfrau gründete, existiert noch heute, die "Klosterfrau Healthcare Group", und gehört zu den größten Produzenten von nicht-apothekenpflichtigen (frei verkäuflichen) Arzneimitteln in Deutschland. Das bekannteste Produkt ist seit der Gründung des Unternehmens 1825 der "Melissengeist" geblieben, der sich in jeder dritten Hausapotheke in Deutschland findet.



INTERPRETATION
Was für einen Menschen der Ruf, ist für eine Unternehmen die Marke. Die ursprüngliche Bedeutung von Marken war die Kennzeichnung von Produkten zwecks Gewissheit über den Hersteller und zur Sicherstellung der Qualität. Heute kommen noch weitere Faktoren hinzu. So bilden sich um Marken teilweise regelrechte Kulte - man drückt damit ein bestimmtes Lebensgefühl und Zugehörigkeit zu einer Gruppe aus. Marken bilden einen "Schutzwall" um Produkte herum und dienen gerade auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten zur Sicherung  des Umsatzes. Darüberhinaus rechtfertigen Marken höhere Markpreise als No-Name-Produkte und zwar selbst dann, wenn es von der  Produktequalität her keinen Unterschied gibt. Daraus ergeben sich höhere Gewinnmargen, was für Investoren immer schon seinen Reiz hatte.

Man muss unter allen Umständen dafür sorgen, dass man sich von den anderen unterscheidet und dass der Markt, die Kunden, auf einen aufmerksam werden. Dazu braucht es Mut zur Individualität, ansonsten ist Mittelmäßigkeit das Beste, was man zu erwarten hat. Eine weitere Lektion, die Maria Clementine beherrschte war jene sich Verdienste zu erwerben, und davon später zur profitieren. Sie hatte beim preußischen König wohl ein "Stein im Brett" durch ihre großen Verdienste in der Krankenpflege in der Schlacht bei Waterloo. Freilich war es in ihrem Fall gewiss nicht so, dass sie als Krankenpflegerin arbeitete, um später vom König eine Unterstützung bei ihren Geschäftstätigkeiten zu erlangen - das wäre abwegig, doch wusste sie später geschickt die früheren Leistungen für sich zu nutzen. Bei der "Einforderung" von Gegenleistungen muss man sehr vorsichtig zu Werke gehen, sich
dabei auf Dankbarkeit zu stützen, zahlt sich in den meisten Fällen nicht aus. Einem anderen gegenüber dankbar sein zu müssen, wird in der Regel als Last empfunden; viel besser ist es deshalb auf den Nutzen des anderen zu bauen. Nicht aus Dankbarkeit soll der andere eine Leistung vergüten, sondern, weil er selbst  einen Nutzen daraus zieht. In den USA gibt es ein eigenes (informelles) System zwischen Leuten, die sozialen Netzwerken (nicht mit den modernen "sozialen Netzwerken" wie Facebook, Twitter etc. verwechseln!) angehören. Dieses nennt sich IOU - "I owe you" ("Ich schulde dir etwas") und bedeutet,  dass die Mitglieder solcher Netzwerke durch wechselseitige Hilfe und Unterstützung miteinander verbunden sind. Die Pflicht zur Hilfe ist dabei  stärker als bei einem schriftlich fixierten Vertrag. Erstaunlicherweise sind die menschlichen Verpflichtungsbande oft bei auf Treu und Glauben, nur mündlich  geschlossenen Abmachungen, viel stärker, als bei schriftilch fixierten Verträgen - wobei die Schriftlichkeit ja gerade aus Sicherheitsgründen vereinbart wird! Jedenfalls darf man grundsätzlich von Menschen keine Dankbarkeit erwarten, denn solche ist das Ergebnis von feinster Bildung des Herzens, etwas,  das wie die wahre Liebe eine Unwahrscheinlichkeit ist; und trotzdem kann sie gefunden werden, wenn man danach sucht.

Maria Clementine Martin hatte sich für ihr Geschäft den besten Standort ausgesucht, den man zur damaligen Zeit finden konnte. Köln war ein Mekka für Duft- und Heilwässerchen und weit über die Grenzen des Rheinlandes hinaus dafür bekannt. Hier lag der ideale Ansatzpunkt für den geschäftlichen Erfolg, sofern man Eigeninitiative zeigte und die harte Konkurrenz nicht scheute. Durch Sparsamkeit war es der Nonne gelungen ein Kapital  anzusammeln, mit dem sie ihr Geschäft aufbauen und mit der Melissengeistproduktion beginnen konnte. Kluge Geschäftsführung und ausgezeichnetes  Marketing, wie man heute sagen würde, führten dann zum Erolg des Unternehmens, das heute noch große Bekanntheit genießt.



LEKTIONEN
* Einen guten Ruf zu haben ist für Menschen wichtig im sozialen Leben. Ebenso ist es für ein Unternehmen wichtig eine gute Marke zu haben.

* Unterscheidung und Aufmerksamkeit sind im Wirtschaftsleben essentiell.


* Erwirb dir Verdienste, um später auf die Dienste anderer zurückgreifen zu können.


* Hat man ein gutes Produkt oder eine gute Dienstleistung anzubieten, so muss man den Glauben daran entwickeln, dass man damit auch Erfolg haben wird. Entscheidend ist allerdings, dass man aus Rückschlägen lernt und kreatives Durchhaltevermögen besitzt. Bloßes, sich nicht auf Veränderung stützendes Durchhaltevermögen, ist nichts anderes als Sturheit.


* Es ist wichtig einen idealen Standort für seine Geschäftsaktitvitäten zu besitzen, einen "Brückenkopf", um den Markt zu erobern. In unserer Zeit befindet sich dieser Brückenkopf immer öfters in der virtuellen Welt des Internets.





Sonntag, 6. April 2014

Lebenslanges Arbeiten

xEs gibt Dinge, die den Menschen unter den Nägeln brennen und über die die Politik nicht sprechen und die Massenmedien nicht berichten wollen. Schon seit langem ist es in unserer Politik so weit gekommen, dass Themen dann aufgegriffen werden, wenn man sich einen politischen Vorteil davon verspricht, nicht aber, wenn sie von Bedeutung sind. Dass mit unserer Welt und unserer Gesellschaft immer mehr nicht mehr stimmt, dass die Welt der politischen Führer immer mehr hin zu einer Scheinwelt verkommt und mit der tatsächlichen Wirklichkeit, mit der Wahrheit über die Welt, nichts mehr zu tun hat, leuchtet allmählich immer größeren Gruppen der Bevölkerung ein. Die jüngsten Entscheidungen aller Art sprechen wieder einmal eine klare Sprache. Immer mehr Menschen spüren es, dass sie für dumm verkauft  werden und dass die tatsächlichen Probleme der Welt, gerade auch des Westens, weitaus größer sind, als wir uns das meist eingestehen wollen und dass wir vor allem über keine fähigen Führer verfügen, die in der Lage sind Lösungen zu erarbeiten, geschweige denn solche umzusetzen. Wir spüren es und unsere Gefühl täuscht uns nicht, mag noch so viel rationalisiert werden, von allen möglichen Experten und Beratern jeglicher Art. Reif zu sein, ein erwachsener Mensch zu sein, heißt auch das Stadium hinter sich zu lassen auf Experten hören zu müssen. Und glücklicherweise werden in diesem Sinne immer mehr Menschen reif!

DAS TRADITIONELLE LEBENSMODELL
Eine ganz wichtige Änderung, die inzwischen in den entwickelten Gesellschaften des Westens immer deutlicher wird, ist jene des Lebens- bzw. Lebenszeitmodells. Die alten Vorstellung, die leider immer noch von vielen wohlmeinenden Eltern und Lehrern und dergleichen ihren Kindern vermittelt werden, funktionieren nicht mehr. Diese traditionellen Vorstellungen könnte man zusammenfassen mit: "Geh zur Schule, schreibe gute Noten, erwirb eine möglichst hohe akademische Ausbildung, suche dir einen guten Job in einem angesehenen Unternehmen und genieße dann den üppigen Ruhestand im Alter, den du dir redlich verdient hast." Das neue Rezept für das Leben müsste nun für unsere Zeit jedoch lauten: "Erkenne dich selbst, finde heraus, was dich fasziniert, bring es darin zur Meisterschaft und tu' dein ganzes Leben nichts anderes mehr!"

Im herkömmlichen, uns allen vertrauten, Lebensmodell geht es darum, dass der Mensch die ersten 20, 25 oder 30 Jahre seines Lebens mit Schule und Ausbildung verbringt. Darauf folgt das Berufsleben, das irgendwo zwischen 30 und 45 Jahren bei den meisten dauert. Dies ist also die Phase "Beruf", die sich an die erste Phase "Ausbildung",  die man auch als Lernphase bezeichen könnte, anschließt. Dann folgt ab etwa dem 60 bzw. 65 Lebensjahr die Phase 3, jene des Ruhestanden, bzw. der Rente/Pension. Das ist das Modell nach dem die meisten heute noch  leben und das immer noch in den Köpfen der Menschen als "Ideal" vorherrscht. Das ist kein Wunder, denn die Menschen wurden vom Staat zu diesem System erzogen und es hat sich lange Zeit, vor allem als wir noch in  einer Industriegesellschaft lebten, bewährt.

Nun aber haben sich die Umstände gewandelt und immer größere Probleme tauchen an allen Ecken und Enden auf. Pensionsregelungen werden verschärft, das Pensionsantrittsalter erhöht, Pensionen gekürzt, Durchrechnungszeiträume ausgeweitet, Steuern und Abgaben eingeführt und so weiter. Man verkauft dies den Menschen zwar in kleinen Portionen, doch zusammengerechnet ergibt sich daraus eine fortschreitende Verschlechterung der Situation  der nicht mehr arbeitenden Bevölkerung. Noch schreit das Volk nicht, denn man hat es gut verstanden die "Gans" zu rupfen, ohne dass sie schreit, indem man ihr die Federn nicht auf einmal, sondern nach und nach herausrisst. Doch  der Staat hat überhaupt keine andere Wahl, seine Verschuldung steigt immer weiter, die Kosten (Altersbetreuung,
Pflegebetreuung, Krankheitskosten etc.) steigen unaufhörlich, die Beiträge der "Jungen" können damit nich schritthalten.  Es führt kein Weg daran vorbei, wir müssen erkennen, dass das herkömmlich Dreiphasenmodell nicht mehr aufrecht  zu erhalten ist - ganz egal wer gerade an der Regierung ist.

EIN NEUES LEBENSZEITMODELL
Vor die großen Probleme gestellt, die das traditionelle Lebensmodell immer schwerer umsetzbar machen, stellt  sich die Frage, wie der einzelne und die Gesellschaft als Ganzes darauf regieren sollen. Fest steht, dass die Politiker  diese Probleme nicht lösen werden; sie werden uns auch keinen reinen Wein einschenken. Auf sie zu vertrauen  ist unsinnig. Die einzige Lösung besteht darin, indem die Menschen sich selbst hilft.  Dass lebenslanges Lernen heute notwenig ist, das pfeifen die Spatzen schon lange von den Dächern, doch  erstaunlicherweise traut sich bisher niemand konsequent weiterzudenken. Wofür lernen wir denn? Teilweise für  uns selbst, doch das ist für die Gesellschaft nicht der springende Punkt. Im Wesentlichen geht es der Gesellschaft  nämlich darum, dass das Gelernte des einzelnen ihr wieder zugute kommt, indem der einzelne durch seine Leistungen  die Gesellschaft bereichert, was in der Regel durch das geschieht, was man Arbeit nennt.

Arbeit ist eine großartige Möglichkeit seine Zeit zu verbringen, denn was man tun soll, bis man stirbt, womit man seine Zeit verbringen soll, gehört zu den größten Problemen des Menschen im Leben. Gäbe es die Arbeit nicht, wären  die psychiatrischen Kliniken voller Menschen, die an Depression, Sinnlosigkeit und Langeweile litten. Die  Forderung lebenslang zu lernen ist nur die eine Seite der Medaille, die andere ist das lebenslange Arbeiten. Dieses wird in Zukunft notwendig sein, denn das Pensionssystem wird bald nicht mehr in der Lage sein Renten zu bezahlen, von denen ein Mensch noch vernünftig leben wird können. Wahrscheinlich wird die durchschnittliche Rente irgendwo  im Bereich der Sozialhilfe liegen oder das derzeitige Beitragssystem wird ersetzt durch ein "Volkspensionssystem", bei dem jeder Bürger bei Erreichen eines bestimmten Alters vom Staat eine gewisse Summe Geld erhalten wird. Für alles weiter muss der einzelne dann selbst sorgen. Über ausreichende Ersparnisse oder private Pensionen werden aber nur die wenigsten verfügen, denn die meisten Menschen verdienen nicht genug, als dass es sich rentieren würde, privat vorzusorgen und schon gar nicht werden sie dadurch die "Pensionslücke" auffüllen können, selbst wenn sie sehr früh zu sparen beginnen. Die Finanzkrise hat hier vielen die Augen geöffnet in Punkto Kapitalsicherheit und zu erwartende Renditen!  Es wird in  jedem Fall eine "Verlierergeneration" geben, eine die weitaus mehr in das alte Pensionssystem einbezahlt hat, als sie an Rente herausbekommen wird. Die sozialen Unruhen und Verwerfungen, die Klagen und politischen Schwierigkeiten, die daraus entstehen werden, sind etwas, das man sich jetzt noch gar nicht vorstellen mag.

Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung und diese besteht darin, dass sich der Bürger überhaupt frei macht vom Staat und allen möglichen, ihn kontrollierenden, Umstände, so dass er sein Schicksal wirklich in die Hand nimmt (bisher war dies ja meist nur ein Lippenbekenntnis). Aus diesem Grund ist es notwendig, dass der einzelne über sich selbst sehr gut Bescheid weiß, dass er seine Neigungen, Talente, Stärken und Schwächen genau kennt und schon in jungen Jahren  diese ausbildet, um in seinem jeweiligen Fach Meisterschaft zu erlangen. Es ist wichtig das Lernen als das höchste  Gut aufzufassen und Arbeitsstellen vor allem aus diesem Gesichtspunkt heraus zu betrachten. Meist verfehlen Menschen ihre Berufung im Leben deshalb, weil sie aus den falschen Motiven heraus einen Job annehmen oder einen Beruf erlernen: Geld, Ansehen, Beziehungen, Erwartungen anderer etc. Diese Fallen muss man meiden und gerade junge Leute müssen lernen zu lukrativen Jobs "Nein" zu sagen, wenn sie nicht ihrer Lebensaufgabe entsprechen. Warren Buffett sagte über Leute, die angesehene Jobs annehmen, um ihren Lebenslauf aufzufüllen: "Einen angesehenen Job anzunehmen, um den  Lebenslauf aufzupolieren, ist wie wenn man Sex für den Ruhestand aufsparen würde." In Zukunft wird es ratsam sein nur solche Jobs anzunehmen, die einem auf dem Weg der Lebensmission weiterhelfen, nur für sich selbst zu arbeiten und eine Sache so gut zu beherrschen, dass man mit ihr verschmilzt, so dass auch der durchschnittliche Arbeitnehmen bei seiner Arbeit eine Beziehung zu dieser hat, wie ein Künstler bei der Erschaffung eines Werkes zu diesem. Arbeit sollte Freude machen, sollte sogar ein Genuss sein; die verdrehte Vorstellung Freizeit sei besser als Arbeit und jeder freue sich nur auf diese, muss verschwinden. Ist Arbeit zur Berufung geworden, dann verschmilzt sie mit allen anderen Bereichen des Lebens, sie wird niemals langweilig und man möchte ohnehin nie etwas anderes tun. Unter dieser Voraussetzung wird auch  lebenslanges Arbeiten nicht nur möglich, sondern sogar zu einer sehr erfreulichen Entwicklung. Denn wäre die Arbeit eine Plackerei, eine Maloche, dann wäre es unzumutbar sie lebenslang ausüben zu müssen, dann gäbe es zwischen "freiwilliger" Arbeit und Zwangsarbeit keinen Unterschied!

Nicht zu vergessen ist auch die Freizeit, die in Zukunft auch schon in jüngeren Jahren einen immer größeren Teil der Lebenszeit einnehmen wird - von der "Freizeitgesellschaft" wurde ja bereits vor vielen Jahren zum ersten Mal gesprochen. Der Bereich Freizeit gehörte bisher vor allem in die ersten Lebensjahrzehnte (Kinder und junge Leute) und ins Leben der Pensionisten. In Zukunft werden auch Menschen zwischen 20 und 60 über weitaus mehr Freizeit  verfügen, als zum jetzigen Zeitpunkt und sie werden es auch brauchen, denn neben lebenslangem Lernen und  lebenslangem Arbeiten, wird sich auch lebenslange Freizeit einstellen müssen, sonst wird das System unmenschlich. Zusammenfassend ist also zu sagen, dass das neue, das zukünftige Lebenszeitmodell über das gesamte Leben  hinweg über alle drei Komponenten Lernen, Arbeiten und Freizeit verfügen wird, die zwar hin uns wieder von Schwankungen geprägt sein werden, im wesentlichen jedoch in jedem Alter (bis auf die Kinderarbeit) sehr stark  sein werden. 

Es ist inzwischen eine Binsenweisheit, dass in der westlichen Welt die Fähigkeit der Gesellschaften sich selbst zu  reproduzieren immer geringer wird. Die Willigkeit Kinder zu bekommen und großzuziehen ist auf einem  Allzeittief angelangt und die Versuche der Politik dem entgegenzusteuern, bleiben meist unwirksam. Gerade  Leute mit höherer Ausbildung haben signifikant weniger Kinder, als jene, deren Ausbildungsniveau weniger  hoch ist. Das führt dazu, dass immer mehr Akademiker mit ihren hohen Sozialbeiträgen die Kinder von nicht  oder wenig arbeitenden Menschen finanzieren. Gerade im Falle von gut ausgebildeten Frauen führt dies nicht  selten zu deren Empörung, wenn sie erfahren, dass sie mit ihren Beiträgen Mütter und deren Kinder finanzieren, die keiner Arbeit nachgehen und sich ganz auf die Mutterrolle verlegen - und dies aus tiefster Überzeugung heraus. Die moderne Art der Ablehnung der Mutterrolle ist oft eine Ratiionalsierung des Neides auf das Glück, das Müttern von Natur aus beschert ist. Unsere Gesellschaft wird nicht umhin kommen Kinder als etwas noch viel Wertvolleres ansehen zu müssen, als dies zum jetztigen Zeitpunkt bereits der Fall ist. Kinder zu kriegen und aufzuziehen wird in Zukunft zu einer sehr respektablen Tätigkeit werden müssen, die nicht nur hoch im gesellschaftlichen Ansehen steht,  sondern von der Gesellschaft auch noch finanziell gut dotiert werden wird müssen. Ja es ist nicht unwahrscheinlich, wenn  eine Frau, die lebenslang eine "Vollzeitmutter" ist, sowohl was das gesellschaftliche Ansehen, als auch ihre finanzielle Versorgung betriff, etwa gleichgestellt ist mit einer Anwältin oder Ärztin. Die Zeit der Ideologien ist vorbei, heute regieren immer mehr die Notwendigkeiten und vor diesen muss jede Vorstellung weichen.

Wir brauchen einen Arbeitsmarkt, der nach oben hin keine Altersgrenze kennt. Dabei geht es nicht darum einen "zweiten" Arbeitsmarkt zu schaffen, auf dem man dann die nicht oder nicht mehr Vermittelbaren unterbringt, sondern um eine Ausweitung des bestehenden Arbeitsmarktes auf alle Altersgruppen. Neben der Aufwertung der Gruppe der Kinder, die oben bereits angesprochen wurde, muss auch eine Aufwertung der älteren Bevölkerung  treten, die Verherrlichung der Jugend muss ein Ende haben. Im Idealfall schaffen wir es, dass es innerhalb der Gesellschaft keine Unterschiede mehr zwischen Menschen verschiedener Altersgruppen gibt. Nach dem derzeitigen Stand der Gesellschaft genießen jene, die über am meisten Macht und Geld verfügen das meiste Ansehen; das ist vor allem die arbeitende Bevölkerung zwischen 30 und 65; Kinder Jugendliche und ältere Menschen schneiden dabei weitaus schlechter ab. Im neuen Lebenszeitmodell würden alle Altersgruppen über den gleichen Respekt der Gesellschaft verfügen. Dadurch würden einige sozialen Konflikte wegfallen, die uns heute noch große Probleme bereiten.

Weiters muss ein Umdenken in der Gesellschaft geschehen, dahingehend, dass der Mensch wieder in den  Mittelpunkt von allem rückt, dass der Mensch wieder höchster Zweck, und zwar höchster Selbstzweck wird! Das heißt, dass der Mensch keinem wirtschaftlichen oder sonstigen Profit mehr untergeordnet werden darf und die Wirtschaft von der Notwendigkeit ständig wachsen zu müssen entkoppelt wird. Ein Wirtschaft- und Gesellschaftssystem ist dann als gut zu betrachten, wenn es die wahren (nicht-neurotischen) Bedürfnisse des Menschen erfüllt - kurz: wenn es um die Natur des Menschen und deren Befriedigung herum arrangiert wird. Nur so haben wir eine Chance die Trennung der Menschen untereinander zu überwinden und zu einer von Vernunft, Liebe und wahrer Schöpferkraft geprägten Gesellschaft zu werden.








Sonntag, 30. März 2014

Wie man seinem Herrn das Reich ausspannt

xEs gibt Zeiten in der Geschichte über die wir nur wenig wissen. Oft ist dies gerade deshalb erstaunlich, weil wir von noch früheren Zeiten nicht selten weitaus mehr wissen und  ein "dunkles Zeitalter" darauf folgt. Ein solches finden wir in der Zeit nach dem Ende des Weströmischen Reiches bis zur Karolinger Ära; das was man grob als "Frühmittelalter" bezeichnet. Ein Königsgeschlecht regierte damals in Westeuropa, vor allem im heutigen Frankreich und Westdeutschland, das von den meisten lediglich dem Namen nach gekannt, ansonsten aber stiefmütterlich behandelt wird und seit 1200 Jahren in geringer Achtung seht; so wird es auch meist einfach übergangen: die Merowinger. Dass dieses Geschlecht so wenig Beachtung findet hat mehrere Gründe. Einer jedoch sticht hervor und hat mit der Propaganda ihrer Nachfolger zu tun, die derart erfolgreich war (und ist), dass sich ihre Wirkung seit dem 8. Jahrhundert bis in unsere Zeit hinein erstreckt.



DIE "ROIS FAINÉANTS"

Seit Jahrzehnten schon war das fränkische Königtum zu einem Trauerspiel verkommen. Seit dem 7. Jahrhundert hatten die Könige die faktische Macht im Staat immer mehr ihren Hausmeiern (maior domus), den "politischen Geschäftsführern" überlassen, von denen die ehrgeizigsten aus dem Hause kam, das später als die "Karolinger" bekannt wurde. Das Amt des Hausmeiers entstand während der germanischen Völkerwanderung und blieb bei den meisten Völkern relativ unbedeutend, nur bei den Franken entwickelte es sich seit dem 6. Jahrhundert zu einer immer  mächtiger werdenden Institution. Das Amt wurde bald nur noch von Adeligen bekleidet und wurde im Laufe der Zeit sogar erblich. Die Karolinger, die seit Pippin dem Älteren (623-640) das Hausmeieramt ausübten, taten sich besonders durch ihr Streben nach Macht hervor und erreichten im Jahre 687 die Vereinigung der Hausmeierämter im gesamten Frankenreich in ihrer Hand.

Dieses Jahr 687 bildet auch das  Datum des Beginns der "Alleinherrschaft" der Karolinger. Alle Merowinger nach Dagobert I. (629-639) waren lediglich Schattenherrscher.  Der Name "Karolinger" geht auf einen der berühmtesten Hausmeier zurück, der in die Geschichte auch als der Bezwinger des Islam in Westeuropa bekannt wurde (durch die siegreiche Schlacht bei Tours und Poitiers 732), Karl Martell (dem Großvater Karls des Großen), der von 718 bis 741 regierte. Unglückliche Umstände hatten die formellen Herrscher, die Merowinger, dazu gezwungen lediglich als Marionetten ihrer Hausmeier zu dienen und hatten praktisch keinerlei Macht mehr. Allerdings besaßen sie über einige Generationen hinweg immerhin noch genug Ansehen, um vom Volk als Könige anerkannt zu werden. Die alten germanischen Traditionen, die allerdings immer stärker mit romanischem Geist durchsetzt wurden, blieben gerade bei der einfachen Bevölkerung noch lange Zeit vorherrschend, so dass die Herrscher noch lange vom Respekt, der ihnen entgegengebracht wurde, zehrten. Die Hausmeier jedoch verstanden es geschickt die Reputation der Könige allmählich zu schwächen und letztlich derart zu ruinieren, dass sich kaum einer mehr um den König scherte. Am Ende war es so weit gekommen, dass die Merowinger  nur noch im Rufe standen "rois fainéants", königliche Faulpelze, zu sein, lächerliche Figuren aus einer längst vergangenen Zeit. Symbol der Königwürde der Merowinger waren die langen Haare - etwas, das schon in biblischen Zeiten (siehe Samson) mit Kraft und Stärke in Verbindung gebracht wurde. Der letzte der Merowinger, Childerich III. wurde von den realen Machthabern bereits derart verachtet, dass man nicht einmal sein Geburtsdatum kennt (irgendwann zwischen 720 und 737), noch machte man sich die Mühe seine verwandtschaftliche Beziehung zu seinen Vorfahren festzuhalten, so dass wir heute nicht mehr wissen, von welchen Merowingern Childerich III. abstammte. Die Hausmeier hatten die Könige erfolgreich von aller Machtbasis abgeschnitten, so dass es letztlich ein Leichtes war sich ihrer ganz zu entledigen.



DER STURZ

Nachdem seit vielen Jahren die faktische Schwäche der Merowingerkönige unübersehbar geworden war, begannen die Hausmeier ihre "Herren" immer mehr zu verachten und sogar öffentlich  bloßzustellen. Nachdem diesem Verhalten weder von königlicher, noch von adeliger, noch von kirchlicher Seite entschieden entgegengetreten wurde, nahm das Ausmaß der Entwürdigungen immer weiter zu. Die Karolinger hatten nämlich keineswegs den Adel gestärkt, schon gar nicht hatten sie versucht eine Art Oligarchie zu errichten, sondern bauten eine Art "faktischer Königsmacht" neben der formalroyalen Macht auf. Dieses Auseinanderdriften zwischen formeller und realer Macht war für die germanische Tradition, der die Merowinger noch sehr stark verpflichtet waren, weitaus weniger untragban, als die mehr am romanischen Staatverständnis orientierten Karolinger (und die Kirche natürlich). Tatsächlich fand sich in dieser Diskrepanz eine Handhabe, die der neue Hausmeier, Pippin der Jüngere, der Vater Karls des Großen, im Jahre 751 klug zu nutzen wusste.

Der letzte Merowingerkönig, Childerich III. (gest. 755), von dem wir nur wenig wissen, wurde bereits in jungen Jahren von Karl Martell ins Kloster Sithui gesperrt. Die Folge war ein unbesetzter Thron für einige Jahre. Im Jahr 743 wurde Childerich noch einmal aus dem Kloster geholt, um an einigen Formalakten teilzunehmen, wozu man glaubte den König doch noch benötigen zu müssen. Die Hausmeier sorgten dafür, dass der König dabei als stumpfsinniger, fauler Kerl dastand, der jede Würde und jedes Ansehen verloren hatte. So wurden die letzten Merowingerkönige im allgemeinen als in Ochsenkarren durchs Land gezogene, langhaarige Faulpelze dargestellt. Dann, im Jahr 751, hielt der Nachfolger Karl Martells, Pippin der Jüngere, die Zeit für gekommen, dem  "Trauerspiel" ein Ende zu bereiten und Nägel mit Köpfen zu machen. Bischof Burkhard von Würzburg und Fulrad von St. Denis, die beiden wichtigsten Berater von Pippin, wurden mit einer Mission nach Rom zu Papst Zacharias geschickt. Der Papst sollte eine Entscheidung treffen, nämlich wer im Frankenreich regieren sollte: jener, der nur formell die Macht hatte oder jener, der sie faktisch innehatte. Der Papst
entschied ganz im Sinne Pippins. Pippin dankte es der Kirche und schloss bald einen Pakt mit ihr (siehe auch die gefälschte "Pippinische Schenkung").

Im November 751 ließ Pippin daraufhin in Soisson eine Versammlung der Franken einberufen, auf der er sich selbst zum neuen König ausrufen ließ und im  gleichen Zuge Childerich für abgesetzt erklärt wurde. Von nun ab regierten die Karolinger das Frankenreich bis zum Jahr 911, worauf dann bald der erste deutsche Kaiser, Heinrich I. (919-936), den Thron bestieg. Childerich wurden die Haare geschoren und er musste noch im selben Jahr in das Kloster Sithiu eintreten, wo er wenige Jahre später, 755, starb. Er hatte einen Sohn von dem nur der Name, Theudebert, bekannt ist. Seit damals spielte das Haus Merowinger nie mehr eine Rolle in der Geschichte, wenn es auch keinen Beweis dafür gibt, dass es irgendwann ausgestorben wäre.



INTERPRETATION
Macht hat weniger mit einem Titel, einer Position, auch mit Ressourcen aller Art, als mit dem Charakter des Menschen zu tun. Oft steht eine Person auf der Bühne der Welt und erscheint als sehr mächtig und einflussreich, doch in Wahrheit stehen anderen im Hintergrund, die die Fäden in der Hand halten. Die "Graue Eminenz" im Hintergrund ist ja längst sprichwörtlich geworden. Meist sind solche dominierenden Kräfte "hinter der Bühne" öffentlichkeitsscheu und nur die wenigsten wissen von ihnen. Hin und wieder kommt es jedoch vor, dass eine faktische Herrschaft auch offen erkannt wird und von den handelnden Personen nicht einmal bestritten wird. Lediglich aus Rücksicht oder Respekt wird in solchen Fällen vermieden die Wahrheit anzusprechen. Fälle von faktisch regierenden "zweiten Männern" hat es in der Geschichte immer wieder gegeben, auch in jüngerer Zeit. Man denke etwas an Fürst Metternich im österreichischen Kaisertum oder Otto von Bismarck in Preußen, bzw. dem Wilhelminischen Reich. Was die Situation der Merowinger jedoch herausragend macht ist, dass sich dieses Kräfteungleichgewicht zwischen dem herrschenden Monarchen und dem regierenden "Kanzler" über viele Jahre und Generationen hinweg verfestigte, so dass es zum Kennzeichen der Herrschaft und des Fränkischen Reiches, spätestens ab der Mitte des 7. Jahrhunderts, geworden war.

Dabei hatte für die Merowinger alles einst so gut begonnen. Das Haus leitete seine Herkunft von einem sagenhaften Vorfahren namens "Merowech" ab, der Mitte des 5. Jahrhunderts gelebt haben soll. Auf ihn folgte Childerich I, der bis 482 regierte und auf den der erste fränkische Großkönig Chlodwig I. folgte, der 495 zum (orthodox-katholischen) Christentum übertrat und in der  Geschichtschreibung als erster König von Frankreich geführt wird. Seit Chodwig wurden die französischen Könige in Reims gekrönt, eine Tradition, die sich bis zur  Französischen Revolution gehalten hatte. Die Merowinger hielten die verschiedenen Reiche der Franken lange Zeit erfolgreich zusammen und konnten mit einigen fähigen Königen aufwarten (wie etwa Chlodwig I. oder Dagobert I.). Mit Dagobert I. erlebte das Reich noch einmal einen Höhepunkt, auf den dann der Fall bei seinen Nachfolgern folgt.

Schädlich für die Königstärke war natürlich auch der Zerfall des Fränkischen Reiches in mehrere Teilreiche im 7. Jahrhundert, dabei vor allem in Austrasien, Neustrien und Burgund.  Zu diesem Zerfall kam es unter anderem aufgrund der Frührungsschwäche der Könige, die jedoch nicht auf charakterliche Mängel der Merowinger zurückzuführen war, sondern schlicht und einfach auf die Tatsache, dass von 639 an es eine ganze Reihe von sehr jungen Thronfolgern gab, die allesamt noch Kinder waren, als ihre Väter starben und sie so in den Einflussbereich mächtiger Adeliger in ihrem Umfeld gerieten (allen voran natürlich der Hausmeier). Dagobert I., der letzte große Merowinger, regierte sein Reich noch mit Stärke und Klugheit. Allerdings waren bei seinem Tod 639 seine beiden Söhne erst 9 (Sigibert III.) und 6 (Chlodwig II.) Jahre alt. Dieser nachteilige Umstand, junger, noch unreifer Monarchen alleine hätte wahrscheinlich noch nicht ausgereicht die Monarchie derart zu schwächen. Hinzu traten gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische, sowie religiöse Veränderungen, die in ihrem Zusammenwirken für einen immer größeren Verlust der Königmacht sorgten.

Dass die Merowinger in der Geschichtschreibung so schlecht wegkommen, hat wesentlich mit der karolingischen Propaganda zu tun, die in der Zeit nach der Machtübernahme, im Dienste der neuen Herren alles daran setzte ihre  Vorgänger als dekadente, stümperhafte, faule Lachnummern darzustellen, um den Makel der eigenen Thronlegitimtät zu überdecken. Allerdings war es auch für die Karolinger nicht leicht mit der Tradition zu brechen und ihre Machtübernahme zog sich über ein ganzes Jahrhundert hin. Wären die Merowingerherrscher tatsächlich so schwach und inkompetent gewesen, wie ihnen angedichtet wurde, hätten die Hausmeier leichteres Spiel gehabt und hätten die Königswürde schon zu einem viel früheren Zeitpunkt für sich in Anspruch genommen. Tatsächlich gab es schon vor dem Staatsstreich von Pippin frühere Versuche sich die Macht zu sichern, die allerdings von der Merowingern erfolgreich abgewehrt wurden (z.B. die "Grimoaldaffäre", bei der der Hausmeier Grimoald seinen eigenen Sohn, anstatt des legitimen Dagobert II. auf den Thron bringen wollte und später vom Merowinger Chlodwig II. hingerichtet wurde).

Die karolingischen Chronisten, allen voran Einhard, der Geschichtsschreiber Karls des Großen, dienten ihren Herrn nach Kräften und schufen ein Bild von den Merowingern für die Nachwelt, das kaum ein gutes Haar an ihnen ließ. Diese Tradition hat sich bis in die jüngste Zeit hinein gehalten. Erst in jüngster Zeit gibt es kritische Stimmen, die die Merowinger in einem besseren, realistischeren Bild, zeichnen.  Der Dynastiewechsel kennzeichnet auch eine Änderung in der Legitimierung von Herrschaft. Nach altem germanischem Verständnis war die Herrschaft noch untrennbar an die Blutsverwandtschaft und damit vor allem an die Familie des Herrschers gebunden. Eine Möglichkeit, dass eine andere Dynastie den Thron bestieg, gab es grundsätzlich nicht. Durch das neue romanische Herrschaftsverständnis, wie es durch die Karolinger eingeführt wurde, bestand auch die  Möglichkeit der Absetzung von Königen. Etwas, das von jenem Zeitpunkt an in Europa immer wieder angewandt wurde, um sich der Herrscher zu entledigen. Eine Vorstellung von einer ungebrochenen dynastischen Kette über Jahrtausende, wie sie etwas in Bezug auf das japanische Kaiserhaus herrscht, wurde in Europa nur schwer denkbar. Ausnahmen wie etwa der "Tyrannenmord" wurden zwar bereits im Mittelalter diskutiert, doch die Absetzung von Königen wegen Inkompetenz oder charakterlicher Mängel, war eine neue Erscheinung. Insofern hat die Herrschaftsübernahme durch die Karolinger, wenn sie auch unrechtmäßig war,  doch einen Präzedenzfall für die Nachwelt geschaffen, der zur Herausbildung des modernen Herrschaftsverständnisses beigetragen hat und bereits ein erster Schritt in Richtung Begrenzung von Macht darstellt. Darüber hinaus verwendete auch der Papst diesen Vorbildfall zu seinen Gunsten, als es im 11. Jahrhundert (unter Papst Gregor VII.) darum ging, dass der Papst das Recht habe Kaiser und König abzusetzen (vergleiche die die subordinierende und die coordinierende Zweischwerterlehre).



LEKTIONEN
* Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben.

* Die "Geschichte" ist eine Sammlung von Erzählungen, die für wahr gehalten werden, weil man sich darauf geeingt hat.


* Auch die Wissenschaften, selbst die Naturwissenschaften, sind Sammlungen von Erzählungen, die sich auf den jeweiligen Gegenstand der Wissenschaft beziehen.


* Propaganda kann so erfolgreich sein, dass sie noch über Jahrtausende in die Zukunft hinein reicht und die Vorstellungen der Menschen leiten.


* Menschen streben nach Macht. Wer einem anderen Macht überträgt, muss sicherstellen, dass er nicht allmählich in dessen Abhängigkeit gerät. Ein Herr darf es nicht zulassen von einem
Diener (egal welches Amt er auch bekleiden mag) in den Schatten gestellt zu werden. Hier gilt es vor allem schon den Anfängen zu wehren.


* Man muss für seine Kinder gute Vorsorge treffen, für den Fall, dass man selbst früh stirbt. Dabei ist vor allem auf eine tüchtige Vormundschaft zu achten, die sich nicht selbst bereichert und
ganz im Interesse der Nachkommenschaft handelt.


* Verliere niemals den Kontakt zu deiner Machtbasis. Isolation ist der Tod, gerade für Menschen, die über Macht verfügen. So sehr der Mensch in Krisenzeiten dazu neigt, sich zurückzuziehen und
alleine seine Wunden zu lecken, so notwendig ist es gerade dann den Kontakt zu suchen und sich der Loyalität und des Beistandes anderer zu versichern.


* Man darf die Entwicklungen der Zeit nicht übersehen. Gesellschaftliche Änderungen verlaufen weitaus langsamer, als die wirtschaftlichen oder politischen; trotzdem sind sie diejenigen, die am gravierendsten in ihren langfristigen Auswirkungen sind. Dabei hat auch deren Tempo sich in unserer Zeit beschleunigt. Alexis des Tocqueville war der erste der erkannte, dass "eine neue Generation wie ein neues Volk" ist. Man darf sich dabei allerdings nicht vom oberflächlichen Augenschein täuschen lassen, denn die wahren Veränderungen geschehen im Geist der Menschen, nicht in der äußeren Erscheinung. Dies nicht erkannt zu haben, war der Fehler vieler Herrscher in der Geschichte. Den Zeitgeist zu kennen ist immer wichtig, doch ist dieser Zeitgeist das, was im Entstehen begriffen ist, nicht das, was überall erblickt werden kann. Auf die Mode oder einen Trend zu setzen ist Unsinn. Auf was es alleine ankommt sind die großen "Kursänderungen" einer Gesellschaft. Diese zu erkennen ist jedoch etwas, wozu der bloße Verstand nicht ausreicht, dazu bedarf es der Vernunft.



P.S.: Die "dunkle Zeit" des Frühmittelalters, in der es einen erstaunlichen Mangel an historischen Quellen gibt (vor allem archäologische!), hat bei manchen (z.B. Heribert Illig) zur These vom "erfundenen Mittelalter" geführt. Derzufolge fehlen in unserer Zeitrechnung etwa 300 Jahre und wir lebten demnach nicht im 21., sondern erst im 18. Jahrhundert! Was sich auf den ersten Blick  völlig verrückt anhören mag, wird dabei durchaus vernünftig nachvollziehbar aufgezeigt. Freilich ist dies eine andere "Geschichte", als jene, die man in der Schule gelernt hat. Aber auch diese ist eben eine Erzählung und der denkende Mensch muss entscheiden, welche er für sich als die bessere betrachtet. Siehe dazu http://www.fantomzeit.de.



Mittwoch, 19. März 2014

Eine neue Pentarchie braucht die Welt



Sokrates: Gründer und Herausgeber von Strategos 21Die Realität ist oft das, woran man sich eine blutige Nase holt, sowie die Schmerzen, die man spürt, wenn die Vorstellung von der Wirklichkeit mit dieser nicht in Einklang steht und alle psychischen Bewältigungsmechanismen zur  Unterdrückung dieser Tatsache nicht mehr hinreichen.

Die Ereignisse in der Ukraine der letzten Wochen haben der Welt deutlich vor Augen geführt wie verfehlt die Vorstellung ist,  dass eine friedliche Welt der Harmonie bevorstünde und Konflikte im 21. Jahrhundert immer weniger würden. Naive Diplomatie offenbart sich in der völligen Fehleinschätzung der gegenwärtigen Entwicklungen. Der geistige Horizont ist verengt, die Phantasie,
das kreative Denken, sind auf einem Tiefpunkt angelangt. Es ist nicht übertrieben von Dummheit des Westens zu sprechen, wenn man seine Vorgehensweise zu Beginn des Krim-Konfliktes betrachtet. Dabei ist Dummheit nichts, was mit eingeschränkter  Intelligenz zu tun hat, sondern mit mangelnder geistiger Freiheit. Diese mangelnde Freiheit ist vor allem durch Wunschdenken und Ausblendung von Fakten entstanden. Eine Krankheit an der die westliche Bevölkerung seit langem leidet und die längst auch seine Eliten erfasst hat.

"Diplomatie ohne Waffen ist wie Musik ohne Instrumente", meinte Friedrich der Große. Leute wie Wladimir Putin haben dieses Faktum niemals aus den Augen gelassen. Wie es scheint waren seine westlichen Pendants nicht so realistisch und müssen nun den Preis für ihr Versagen bezahlen. Es wird nichts daran vorbei führen, dass die europäischen und amerikanischen Politker wieder auf den Boden der Realipolitik zurückkehren und vordergründig ihre nationalen bzw. supranationalen Interessen berücksichtigen und nicht einen "Kanon von Werten", der sich schön auf einer goldenen Plakette in einem Regierungsgebäude macht, aber nichts mit der Realität zu tun hat. Die Realität ist der Herr der Welt, vor der Notwendigkeit weicht jede Vorstellungen, jede Meinungen (und  auch das Gesetzt, das Recht ist eine Meinung, wenn auch meist eine recht qualifizierte - machen wir uns also diesbezüglich nichts vor!). Deshalb muss sich jede Politik immer an der Realität ausrichten und nicht an der "Gegenwelt" im Geiste, wie immer diese auch geartet sein mag.

Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit und niemals kann man etwas gestaltenohne die Geschichte zu verstehen. Das Studium der  Geschichte gehört mithin zum Wichtigsten, was Politiker und Diplomaten beherrschen müssen. Zu glauben, weil vor Jahrhunderten ein  Konflikt beigelebt wurde, hätte dies keine Auswirkungen mehr auf die Gegenwart ist blauäugig. In gewissen Weise sind alle Konflikte, die je zwischen Menschen und Staaten bestanden haben, teil eines jeden neu auftretenden Konfliktes. Es geht im Grund immer um alles, insbesondere dann, wenn vitale Interessen von Staaten betroffen sind!

Nach dem Wiener Kongress von 1814/15 gab es so etwas wie eine "Pentarchie", eine "Weltherrsschaft" der fünf großen globalen Mächte der damaligen Zeit: England, Frankreich, Preußen, Österreich und Russland. Wobei es innerhalb dieser fünf wieder eine  Zweiteilung gab, wobei Österreich, Preußen und Russland zu den konservativen, absolut-monarchistisch orientierten Kräften zählten, die sich zur "Heiligen Allianz" zusammengeschlossen hatten und auf der anderen Seite England und Frankreich, die staatsrechtlich eine liberale, konstitutionelle Monarchie als Form angenommen hatten. Diese Pentarchie bewährte sich bei mehreren Konflikten und trat neben den ständigen diplomatischen Geschäftstätigkeiten der jeweiligen Botschafter vor allem in Form von Konferenzen zusammen (z.B. die  Konferenz von Aachen). Im 19. Jahrhundert bewährte sich die Form der "Kongressdiplomatie" außerordentlich gut, von Wien 1814/15 (unter Metternich) bis zum Berliner Kongress von 1878, auf dem Bismarck und Disraeli die führenden Kräfte waren. Es spricht einiges dafür, dass viele Aspekte des 19. Jahrhunderts sich in unserer Zeit wieder bewähren könnten, nachdem das 20. Jahrhundert, vor allem die zweite Hälfte von einer Zweiteilung der Welt gekennzeichnet war.





DIE PENTARCHIE


Als 1945 die UNO in San Francisco gegründet wurde, diente sie als Nachfolgeorganisation des Völkerbundes von Anfang an in erster Linie der Erhaltung des Friedens auf der Welt. Allerdings erwies sie sich, genauso wie die "League of Nations" als nicht oder nur teilweise in der Lage dieses Ziel auch in die Praxis umzusetzen. Eine wichtige und sehr kluge Neuerung war jedoch die Einrichtung des ständigen Sicherheitsrates, dem die fünf bedeutendsten Siegermächte des 2. Weltkriegs angehörten und von denen jede ein Veto gegen entsprechende Beschlüsse besitzt. Damit
wurde von vorneherein der Tatsache Rechnung getragen, dass unterschiedliche Machtverhältnisse sich auch in unterschiedlichem Einfluss niederschlagen müssen. Es wäre nun naiv von einer "Gleichheit" aller Staaten zu sprechen, denn gerade darin läge eine große Unterechtigkeit gegenüber jenen, die sowohl über eine zahlenmäßig größere Bevölkerung, als auch wirtschaftlich und militärisch überragende Leistungsfähigkeit verfügen.

In der Praxis hat sich immer wieder gezeigt, dass der Einfluss einzelner Staaten und nicht die Weltgemeinschaft als Ganzes den Ausschlag für eine Entscheidung und auch für die Handlungsmöglichkeit geschaffen hat. Es ist keine Frage, dass die vielen Partikularinteressen  gebündelt werden müssen, um zu effektiven Entscheidungen, vor allem auf globaler Ebene, zu gelangen. Aus diesem Grunde sollten die  zukünftigen Entscheidungen über das Schicksal der Welt vor allem von großen Blöcken getroffen werden. Faktisch geschieht dies ohnehin und ist unvermeidbar. Deshalb ist es nur sinnvoll und im Sinne der Transparenz notwendig, dass diese faktsischen Verhältnisse auch in ein  offzielles, rechtliches Gebilde übergeführt werden. Alles andere ist Heuchelei. Was die Welt in unserer Zeit am meisten braucht sind authentische Führer. Die Menschen sind es leid, dass zwischen den verbalen Äußerungen und der Lebensrealität eine immer größere Lücke klafft. Dabei ist es relativ irrelevant welchen Politstil eine solcher Führer für sich gewählt hat. Auch die autokratische Regierungsmehode ist eine legitime Form des Regierens. Was jedoch in diesem 21. Jahrundert nicht mehr geduldet wird und nicht mehr geduldet werden kann ist eine Doppelmoral, eine Unehrlichkeit gegenüber den Menschen. Wenn eine Tatsache hart ist, so soll sie auch hart vermittelt werden. Den Menschen ist die Realität  zuzumuten und wenn sie auch schrecklich sein mag, so ist sie doch auch heilsam. Denn mehr als eine furchtbare Wahrheit schadet ihre Verschleierung.

Deshalb sollte das Berwertungskriterum einer Regierung nicht so sehr sein, ob sie demokratisch legtimiert ist, sondern ob sie die wahren  Bedürfnisse der Menschen befriedigt, ob sie der Vernunft und dem Guten gehorcht und niemals, ob sie eine populäre Meinung vertritt oder lediglich das "Angenehme" vertritt.  Nach diesen allgemeinen Überlegungen gilt es nun zu überlegen welche Art von Regentschaft für die Welt sinnvoll sein könnte, welche dem größeren Ganzen, der Menschheit am meisten dienlich ist, so dass sowohl das Gesamtwohl der Menschheit, als auch das Partikularwohl eines jeden Volkes größtmögliche Förderung genießt. Dazu können durchaus Überblicke über die reiche Geschichte der Menschheit dienlich sein, ist es doch so, dass sich im Grunde niemals völlig neue Probleme stellen. Schon bei den Sprüchen des Salomon heißt es, dass es nichts Neues unter der
Sonne gäbe und damit ist ein wahres Wort gesprochen. Beinahe alle Probleme des Menschen spielen sich im sozialen Bereich ab und das Verhalten des Menschen bleibt auch immer dasselbe, selbst wenn sich seine Umwelt, vor allem die technische Umwelt, ändern mag. In der condition humana haben wir eine Konstante gefunden auf die wir bauen können. Und vergessen wir nicht, dass Staaten keine Personen im natürlichen Sinne, sondern Abstraktionen, gedankliche Gebäude sein. Vom rein naturalistischen Standpunkt aus existieren Staaten überhaupt nicht, sondern sind nichts anderes als Gedanken im Kopf des Menschen. Handlungsfähig sind Staaten nur durch konkrete Wesen, die Menschen. Aus diesem Grund haben wir es  auch in der "hohen Politik" und in der Diplomatie immer mit Menschen zu tun und es sind Menschen, die über Wohl und Wehe der Welt entscheiden.

Daraus folgt, dass wir einiges aus dem menschlichen Wesen und aus der Geschichte für unsere Handeln in der heutigen Zeit lernen können.  Wie könnte nun einen neue Machtkonstellation auf der Welt aussehen? Die Antwort darauf ist recht kurz.  Aus fünf großen Blöcken sollte sie,  diese "Pentarchie" oder Weltordnung bestehen: Den Vereinigten Staaten, Europa, Russland, China und einem  Block bestimmter anderer großer Staaten wie etwa Indien oder Brasilien. Auch die arabische Welt könnte, unter der Voraussetzung, dass  sie geeint wäre, diesem Block angehören. Freilich würde gerade dieser fünft Block Schwierigkeiten bereiten, da seine Interessen sehr heterogen sein werden und im Wesentlichen gerade darin bestünden die anderen vier Blöcke nicht zu mächtig werden zu lassen. Außerdem müssten eine ganze Reihe von Staaten die "Krott" (Kröte), wie man in Österreich sagen würde, schlucken, nicht direkt Einfluss auf das Schicksal der Welt nehmen zu können. Doch die faktischen Umstände rechtfertigen ein solches Vorgehen allemal und die indirekte Einflussname etwa durch diverse Bündnisse ist jeden kleineren Staat völlig unbenommen.

Diese fünf Blöcke würden wie bisher der ständige Sicherheitsrats sich mehr oder weniger die Welt unter sich ausmachen. Einerseits könnten lokale Konflikte dadurch recht schnell duch gemeinsames Einschreiten schnell ausgeschaltet werden, auf der anderen Seite würde eine "Pentarchie" auch die Gefahr einer unipolaren Welt, wie sie etwas Präsident Putin widerholt in seinen Reden als Gefahr dargestellt hat, verhindert werden. So sehr das westliche Modell für den Westen von großem Vorteil ist, so sehr wäre es doch eine neue Form des Imperialismus und Chauvinismus, wenn dieses  Modell einst zum einzigen Modell auf der Welt werden sollte. Die Welt wird gerade durch Konkurrenz verschiedener Modelle in Bewegung gehalten. Kultivierte Konflikte sind ein Zeichen einer hohen Kultur, eine Welt in der die Konflkite ausgeschaltet sind, wäre eine Welt, die einer Hölle der  Gleichförmigkeit gleichkäme. Die Pentarchie würde für eine zivilisierte Konkurrenz sorgen, die sich gerade dadurch für die Menschheit als großen gegen erweisen würde.



EUROPA ALS KUTSCHER DER WELT


Eine Entwicklung ließ sich im 20. Jahrhundert beobachten. Obwohl Europa an dirketem, vor allem politischem, globalen Einfluss  verloren hatte, vor allem nach dem 1. Weltkrieg und der Ablösung der Weltmacht Nummer 1, das "British Empire" durch die Vereinigten Staaten, wurde die westliche Lebensart, die westliche Industrie- und Produktionsweise, das westliche Wertedenken und meist auch
die westliche Art Politik zu betreiben auf die Welt übertragen. Ähnlich wie nach dem Zusammenbruch des (West-)Römischen Reiches am  Ende der Antike, wurde das System des untergangenen Reiches dominierend für die neuen Machthaber. Im 20. Jahrhundert wurde die Welt micht zunehmender Geschwindigkeit wie der "Westen".

Nach den Napoleonischen Kriegen, vor allem in den 20er-Jahren des 19. Jahrhundert übernahm Österreich eine Schlüsselrollen im Ausgleich der europäischen Mächte, vor allem dank des hervorragenden Diplomaten und Staatsmanns Clemens Fürst von Metternicht. Mehrmals wäre es zu kriegerischen Auseinandersetzungen gekommen (z.B. zwischen Zar Alexander I. und dem Osmansichen Reich), hätte Metternicht nicht die "Zügel" fest in der Hand gehalten und einen Ausgleich erzielt.

Europa ist ein glaubwürdiges Friedensprojekt, das glaubwürdigste auf der Welt überhaupt und in der Geschichte der Menschheit. Oft wird diese aufrichtige Vorliebe für den Frieden als eine Schwäche Europas ausgelegt, vor allem von jenen, die immer noch an die reine Macht der Waffen glauben und die sich eine Herrschaft des Rechts nicht wirklich vorstellen können. Dass es gelungen ist Staaten, die über  Jahrhunderte hinweg Kriege gegeneinander geführt haben, wie Deutschland und Frankreich, nicht nur ihre Feindschaft einstellen, sondern sogar zu Freunden werden, ist eine unglaubliche historische Leistung, die nicht hoch genug engeschätzt werden kann. Man halte sich  nur vor Augen, wie die Stimmung in der Bevölkerung in den beiden Ländern gegenüber der andere Nation in der Zwischenkriegszeit war. Teilweise durften Deutsche in Frankreich und Franzosen in Deutschland nicht einmal die großen Museen besuchen. Dann schaue man nur wenige Jahrzehnte weiter und erkennt eine Freundschaft zwischen den beiden, die für frühere Generationen völlig undenkbar  gewesen wäre.

Europa verfügt heute nicht mehr über bedeutende militärische Stärke, auch ist seine wirtschaftliche Macht nicht mehr so groß wie einst und nach allen realistischen Szenarien nimmt sein Anteil am Welthandel ständig ab und die Bedeutung des Kontinents in dieser Hinsicht wird in Zukunft beiweitem nicht mehr so groß sein wie heute. Deshalb sollte Europa sich weder auf militärische Stärke, noch auf wirtschaftliche Durchschlagskraft verlegen, sondern seine Bedeutung in einem ganz anderen Bereich suchen. Europa ist tatsächlich eine "Wertegemeinschaft", doch liegen diese Werte nicht so sehr im Bereich der Demokratie, der Menschenrechte oder der Rechtstaatlichkeit (dies ist der Irrtum, der überall verbreitet wird). Vielmehr ist es die Vernunft, der Konstitutionalismus der Staaten und das, was früher als "Utopie" bezeichnet wurde, was Europa ausmacht. Europa trägt in sich das Potenzial der Welt eine Richtung für ein "gutes Ende der Schöpfung" vorzugeben. Dieser utopische
Heilsgedanke hat seinen Ursprung in der christlich-jüdischen Heilslehre, wie man sie bei den Propheten des Alten Testaments nachlesen kann. Er geht über die Utopisten der Renaissance, wie Thomas More oder Tomaso Campanella bis zum Ersten Weltkrieg. Dort müssen wir wieder anknüpfen, beim Positiven an der Utopie, und aufhören sie mit Hirngespingsten gleichzusetzen. Noch im 20. Jahrhundert gab es einen großen moderenen Utopisten, Teilhard de Chardin, dem die Verknüpfung von Evolutionstheorie und christlichem Heilsgedanken gelang. Das is die wahre Stärke Europas, die Welt zum "Heil" führen zu können, das Heil allerdings, dass über die Welt hinausgeht, sie transzendiert. Wenn wir  nicht in weltlichen Heilslehren verherren, sondern sie übersteigen, dann können wir für die Welt einen Beitrag leisten, der größer ist als alle wirtschaftliche Leistung, als alle militärische Macht. Das befähigt Europa dazu die Zügel der Welt in der Hand zu halten zum Wohle aller. Lasst und daran arbeiten!


Eurer Sokrates





Samstag, 8. März 2014

Vom Werden des Menschen

xDas Sein ist nichts, das Werden ist alles! Das, meine Brüder, ist des höheren Menschen Einsicht. Ein Werdender ist der Mensch, einer, der nach der Vollkommenheit strebt, das Menschsein überwindet, die Natur überwindet, gerade auch in sich selbst. "Zurück zur Natur!" schreit der Einfältige, der ewig Rückwärtsgewandte, der sich danach sehnt in den stinkenden, fauligen Schoß der "Mutter Erde" zurückzukehren. Von der Finsternis ans Licht! Danach wollen wir Edlen streben, das Licht des Geistes gehe uns auf, wir heben den Blick und sehen keine Grenzen! Das heißt es das Dasein seiner Bestimmung zuzuführen - der Sinn des Lebens, das ist die Vollkommenheit, der Mensch, der sein Menschsein überwindet.

"Menschsein ist genug!" meint der kleine Geist, der Geist des Pöbels, der alle Menschen gleich haben will, erstens um nicht beheerrscht zu werden, gleich darauf aber, um die anderen zu beherrschen im Namen der Gleichheit. Niedrig sind jene, die brünstig sind, deren Herzen nach Macht gieren, doch nur durch Täuschung und Verführung sie erlangen können und selbst dann noch nicht den Mut haben
"Macht" zu sagen, wo nur Macht gemeint sein kann. Frei wollen sie sein und sind doch nur Sklaven. Sie lieben sich mehr als jeden anderen auf der Welt und hören doch bei jeder Kleinigkeit auf die Meinung der anderen und ihrer blökenden Herde. Schafe sind sie, dei davon träumen Löwen zu sein, doch weh ihnen, wenn ein wahrer Löwe sie erspäht, wenn die Wahrheit ihnen ins Gesicht schlägt! O nein glaubt nicht jenen, die nur sein wollen, nur wer am werden ist, tut recht. Wer am werden war, der hat sein Leben schon erfüllt, selbst wenn s nur kurz dauerte; wer jedoch mit dem Sein sich begnügt der hat sein Leben vertan, wie lange es auch gedaeurt haben mochte. Das ewige Werden ist des Menschen Ziel, das heißt des edlen, des wahren Menschen.

Freiheit will der Mensch erlangen und fürchtet doch nichts mehr als sie tatsächlich in Händen zu halten. Gleich sucht er sich einen neuen Herrn, der vermeintlich Freie. Müde seid ihr und traurig blickt ihr auf die Welt, darum könnt ihr nicht frei sein! Euch fehlt der Mut und die Leidensfähigkeit, denn glaubt es mir, meine Brüder, die Freiheit zu erlangen ist ein einziges Leiden! Nicht von der billigen Freiheit spreche  ich, jene, die euch die Gesellschaft und der Staat gewähren wollen, die Freiheit, die durch Normen gesichert sein soll. Normen können geändert werden und jeden Inhalt können sie haben - auf das Gesetz ist kein Verlass! Eine Lächerlichkeit ist diese gewährte Freiheit, die den Namen "Freiheit" nicht verdient zu tragen. Seid wann wird einem denn Freiheit gegeben?! Man kann dir nur geben, was man dir vorher genommen hat und nie bekommst du zurück, was man dir einst entriss. Nicht passiv für die Faulen ist die Freiheit, nur für den tätigen, mutigen Mann ist sie da, und nur er kann über sie herrschen, denn in den Händen des Schwachen und Kindlichen wird die Freiheit schal, verliert ihre Kraft und wird endlich zur Last. Erobern muss man die Freiheit, anders ist sie nicht zu haben. "Ich nehme mir was ich will!" danach sollt ihr streben. Überlasst die Sanftmut und die Demut den Toren und den Sklaven - dem Herrn sind sie unwürdig, die Elite spuckt nicht einmal auf sie, so verächtlich weiß sie ist deren Natur.

Die Tugend sollen wir hochhalten! Doch achtete mir gut auf die Qualität, denn leicht wird euch der Niedergang verkauft, um des vermeintlich Guten willens. Die Tugend des Überwindenden kann nicht die Tugend des Seienden sein! jene des Sklaven nicht jene des Herrn. Das, meine Freunde, vergesst mir niemals - brennt es mit glühendem Eisen in euren Geist ein, auf dass ihr es auch in den trübsten Stunden nicht vergesset. Die Schleimigen kriechen auf der Welt umher, die Unbebeinten, die Staub fressen und kaum höher als zu den Knöcheln des wahren Menschen zu blicken vermögen. In deiner Gutmütigkeit magst du Mitleid haben und den Wunsch nach einer gewährten Wohltag verspüren. Doch lasse dich dazu nicht herab, du würest dein nobles Wesen beschmutzen; Unrat klebt am Boden jedes Tümpels, so auch an jenem des menschlichen Amphibienzoos.

Zum Überwinden seist du geboren, zum Erdulden von Qualen für das Höhere, für den Dienst an deiner Bestimmung. Und leiden wirst du müssen, denn Lust ist in luftigen Höhen nicht zu finden - Hedonismus tobt  sich in den faulenden Sümpfen aus, in den Kloaken der großen Städte, wo die Brünftigen sich selbst als Träger der Kultur feiern. Doch du, halte dich fern alle Schändlichkeiten, aller Gemeinheiten, weit weg von den Plätzen, wo sich das Volk zu sammeln pflegt, fern der virtuellen Phantasieräume, wo das Lästerwerk regiert und Belanglosigkeiten und infantiles Geschwätz gehandelt wird, als ob es sich um tiefe  Wahrheiten handelte.

"Können wir denn solches höheren Menschen werden?" höre ich euch fragen. Seid versichtert, dass wenn es euch aus der Seele quillt euch dem Werden zu verschreiben, so ist auch das Potenzial in euch angelegt. Ich verstehe eure Bedenken, meint ihr doch plötzlich über materielle Möglichkeiten zu verfügen, auf die ihr geistig nicht vorbereitet seid oder im schlimmsten Fall für die ihr nicht die nötige Reife besitzt. Ich verrate euch was den werdenden Menschen ausmacht: Drei Leitlinien sind es, die ihn bestimmen: Vernunft, Liebe und Kreativität. Das Universum, das uns zur leiblichen Heimat dient, solange unsere Seele den fleischlichen  Leib bewohnt, wird durch eine allumfassende Vernunft bestimmt, an der wir alle Anteil haben - daraus folgt, dass wir unserer Vernunft vertrauen können. und je vernünftiger wir handeln und denken, desto mehr stehen wir im Einklang mit dem Allsein und desto größer ist unser Realitätssinn. doch seid versichert, dass ihr auch wahrhaftig die Vernunft gebraucht und nicht den bloßen Verstand oder gar die Intelligenz, denn  eine solche besitzt auch manche Kreatur, die Vernunft hingegen ist die Zierde des Menschen alleine - sie ist auch einer der Faktoren, der es euch ermöglicht das Menschsein zu überwinden - nicht homo sapiens sollt´ihr seind, sondern homo superior.

Zu lauen Geistern muss man mit Kanonendonner sprechen, doch zu euren feinen Gemütern mag auch das weiche, wenn auch geschärfte Wort durchdringen. so lasst mich auch von der Liebe sprechen, denn sie mildert  was reiner Verstand oft im Gaumen schwer erträglich machen würde. Verachte mir die einfachen Menschen nicht, seht sie als die Leidenden, die sie sind, seid gütig und milde mit ihnen, freilich ohne euch je gemein mit ihnen zu machen, leistet Hilfe, wo es vernünftig ist, verweigert, wo niedere Motive herrschen. Wie ihr solches erkennt? Wo immer sich Gefühle der Schuld oder der Scham einschleichen, dort ist das Lachen angebracht, denn solche Gefühle sind unanständig und sollen in eurer Seele kein Dasein finden. Es gnügt, wenn die Menschen der Welt sie empfinden - und das tun sie häufig - alleine darüf soll ihnen euer Mitgefühl nicht verwehrt werden. Liebt die Einfachen, wie Eltern Kinder lieben - aufrichtig, aber ohne sie mit den Möglichkeien auszustatten,d ie euch selbst zukommen. Und denkt mir auch daran, dass auch ihn ihnen zuweilen der Funke  entzündet werden kann ein Werdender zu werden - denn solches ist bei jedem Menschen möglich.

"Wir sind alle Brüder!" hör ich da einen sagen und pflichte ihm bei. Und doch sind wir von unterschiedlicher Gestalt, Fähigkeiten und Talenten. Auch segeln wir nicht über denselben Ozean und haen nicht denselben  Horizont. Wir würde ich doch da mein eigenes Wesen verneinen, würde ich mich dam anderen gleichsetzen. In Liebe sollte ihr stets alle vereint sein, doch wie es im Körper verschiedene Organe mit eben solchen Aufgaben gibt, so ist auch die Menschheit nicht bestehend aus Teilen, die beliebig austauschbar wären. Jedes hat seine Aufgabe und der Wechsel der Funktionen würde das Ganze mehr schädigen, als nützen, ja im schlimmsten Falle überhaupt zur Lebensunfähigkeit führen.

Schwer zu tragen sind diese Worte und die Feindschaft der einfältigen Welt werden sie euch einbringen - sind eure Motive doch gut und edel - alleine es wird nicht erkannt werden. Doch noch ein Drittes zeichnet den  Werdenden aus, die dritte Linie, die Dimension der Schöpferkraft. Der Werdende ist, wenngleich ein Denker, doch auch ein Handelnder, im Handlen liegt sein Glück. Schaffen sollt ihr, bezogen sollt ihr sein auf die Welt und  eure Mitmenschen, doch verliert euch nie darin. Wenn ihr auch liebt, so behaltet doch stets eure Integrität, eure Individualität. Denn mancher Tor hat sich in der Liebe verloren, weil er sich zwar verbinden aber sein Eigenes  nicht bewahren konnten. Das is die Illusion der Liebe - Vereinigung durch Aufgabe zu erreichen und letztlich sein eigenes Wesen nicht mehr zu kennen.

Doch seid mir niemals sentimental, seid mir niemals Romantiker! Würmer gleichen solche, affektiert sind sie und verwcheseln ihr stürmisches Aufwallen eines überquellenden Herzens mit Bezogenheit auf einen anderen. Das, meine  Brüder, ist die zweite Entartung der Liebe - und mit bedauerndem Herzen blicke ich auf die gefallene Welt und erkenne, dass diese Art heute für das Wahre gehalten wird. "Du hast uns die Leitlinien geannt, doch gibt es auch Prinzipien, die uns in diesen aus drei Dimensionen gebildeten Raum leiten können?" Gut hast du gefragt und gut will ich dir auch antworten. Seid gleichmütig, meine Freunde; des Lebens Wechselfälle mögen kommen wie sie wollen, euer Gemüt sehe alles als das an, was es ist - die pure Schauspielerei auf der Bühne der Welt - du bist zu edel, um von den Dingen überrascht zu werden. Das Schicksal gehe seinen Geschäften nach, du kümmerst dich nicht darum, es soll keine Macht über dich haben, das Schicksal, ja es ist noch nicht einmal eine Gefühlsregung wert. Du stehst über dem Schicksal, über der Welt - wie niedrig wärst du doch, wenn es dich bestimmen könnte! Denke gründlich auch an alle Unglücksfälle, die geschehen können. Mord, Totschlag, Raub, Armut, Krankheit, Einsamkeit - all diese Dinge wünsche ich dir - nicht weil ich dich hasse, sondern weil ich dich liebe - sie alle machen dich härter, erprobter und damit wirst du überlegen und unabhängig von der Welt.

Weiter: Genüge dir selbst. Lass nicht zu, dass Begierden dich reizen, lass nicht zu dass Angst und Furcht in dir Platz finden. Praktiziere Furchtlosigkeit. "Wie geht denn solches?" fragst du mich. indem du dich dem tod stellt, dem größten Tabu des Lebens. Verachte den Tod, dann ist es vorbei mit Trübsal, Angst und Traurigkeit. Wer die Angst vor dem Tod besiegt, besiegt die Welt und sich selbst. Damit hat er mehr erreicht, als die klügsten Menschen aller Zeiten in einem. Denn Philosoph zu sein heißt vor allem die Kunst des Sterbens zu beherrschen. Und Philosoph zu sein, das ist alles, was du zu sein brauchst, um zum werdenden Menschen zu werden.

Du musst ein Individuum sein, den Schmerz ertragen, den die Trennung von der Herde mit sich bringt und deine volle Geburt betreiben und erleben - das heißt es ein reifer, ein höherer Mensch zu sein! Die Dichotomie kannst du überwinden, wenn du spontan tätig wirst, in dem was das Leben gerade anzubieten hat. Das Leben gleicht einem Kartenspiel: die Karten werden dir zugeteilt, doch wie du damit spielst, liegt alleine an dir. Manche guten Spieler´vermögen mit einem schlechten Blatt zu reüssieren und manch schlechter Spieler gewinnt auch mit der besten Serie nichts. lass dich deshalb nicht entmutigen, wenn Gewitterwolken aufziehen, die Menschen dich schmähen und für absonderlich halten. Dein Maßstab ist nicht die Meinung der Welt, der Medien oder deines Umfeldes - objektiver Vernunft sollst du folgen, damit tust du das Richtige. Dem Gefälligen zu folgen ist dem Edlen unwürdig -  gerade in der Ablehnung durch die anderen liegt die Vermutung der Richtigkeit oft begraben - zumal der andere meist der Gemeine ist. So lasst mich denn noch zum dritten Punkt kommen, nach dem ihr mit fragtet. Apathie sei es, die dich auszeichne. Deine verwunderten Augen zeigen, wie sehr du erstaunt bist - doch spreche ich nicht im Scherze. Ja, apathischsollst du sein, wie es die Klassiker verstanden, unabhängig von den äußeren Umständen, doch ohne dabei teilnahmslos zu sein. Beobachte die Welt sehr genau, schäfte deine Sinne und verschließe dich keines Sinneseindrucks, doch lass die Welt dir kein Urteil aufdrücken, keine Emotionen vorgeben, die du nicht empfinen willst. Sei der objektivste der objektiven Beobachter und dringe bis zum Kern der Wirklichkeit vor. Sei radikal, im besten Sinne dieses Wortes, erkenne ohne Wenn und Aber, wie die Dinge wirklich, wie sie an sich sind.

"Solches kann der Mensch nicht erkennen", so meinst du und führst den guten Kant an. woher willst du das wissen? entgegne ich darauf. Dass menschliche Erkenntnis nur zu relativen Einsichten führen könne, ist modern und sehr verlockend, jedoch nicht wahr. Auch das ist Denken von bescheidenem, kleinen Geist, der aus Unsicherheit eher annehmen mag wenig oder nicht sehen zu können, als dass er sich mutig in voller Aufmarschbreite dem Leben  stellte. Glaubt an euch, lasst euch nciht kleinreden von den Massenmenschen, die von der Angst beherrscht werden, deren Hauptstreben aber gerade in der Bekämpfung der Angst liegt. Angst ist Teil ihrer Menschlichkeit, die sie verneinen. Wozu dient denn all das Coaching, die Optimismusgurus, das New-Age-Geschwafel und die Drogen der Pharmaindustrie? Die Schwächen sollen damit bekämpft werden, sie wollen einen Übermenschen schaffen, aber einen aus Kunststoff - einen Plastikübermenschen! Tappt mir nicht in diese Falle , bleibt fern dieser Illusion. Prozac sei euch fern, Ritalin sollte ihr allenfalls dem Namen nach kennen, der wahre Werdende wächst nur organisch aus sich selbst heraus - alles, was von außen kommt ist verderblich für ihn, verschmutzt die Entfaltung seines wahren Wesens, seines endgültigen Werdens. Ein Mensch, der durch Hilfsmittel zum zukünftigen, zum neuen Menschen werden möchte, degradiet sich erst recht zum Menschen, der weit unter dem heutigen homo normalis steht. Denn der heutige, unreife Mensch ist immerhin echt in seiner Unvollkommenheit, doch der künstliche Mensch ist weder echt noch  vollkommen - jede Kakerlake ist edler, als ein Drogenjunkie, der seine Leistungsfähigkeit steigern möchte.

"Denke positiv!" so krähen es die Geier von den Dächern. Das Schlimmste sollst du erwarten, denn schon der alte Seneca erkannte, dass all unser Unglück darin besteht, dass wir viel zu optimistisch sind. Tolerant gegenüber Fehlern sollst ihr sein, denn das ist ein Gesetz der Natur. Sieh dir den menschlichen Körper an: am Verwesen kann er schon sein, von Krankheit und Schwäche gezeichnet - und noch immer lebt er! Welche Maschine, welche Schöpfung des Menschen wäre derart robust? Als werdender Mensch musst du robust sein und wenngleich schon Pest und Cholera dein Angesicht zeichnen, die Menschen deine Gestalt fliehen, ob der quasi-modo-gleichen Physiognomie, so sei doch stolz und wirke in der Welt, als das was du bist und mehr noch als das, was du sein wirst. Und glaube mir, deine Wirkung wird gößer sein, als jene so maches Fürsten.

Sprich keine Worte im Überschwang und lass dich weder durch Trieb, noch durch moralische Vorstellungen leiten, die dem wahren Wesen nicht entsprechen. Lege ab alles Sollen, alles niedere Wollen und werde zu deinem eigenen Gesetz. Die Freiheit liegt in der Erkenntnis deiner selbst und im Leben dieses in dir von Anbeginn angelegten Prozesses. Lass nicht zu, dass die Welt dir einredet du seiest nichts, und die Welt machte dich erst zu dem, was du bist - als du selbst kamst du schon auf die Welt und dieses Du musst du dich entfalten, das heißt es eini Höherer zu werden.

Es ist eine Schande der Welt, dass obwohl das Edle, das Höhere in allen angelegt ist, alles getan wird dieses sich nicht entfalten zu lassen. Zwar zeiht die Kultur das unter ihr stehende nach oben, doch das ihr Überlegene erniedrigt sie, da sie höheres nicht erkennen, aber auf keinen Fall dulden kann. Das Tier und der Gott, beide werden vom Gemeinen gequält. Du aber kümmere dich nicht darum, werde ein gott, der deinem Schöpfer es gleich tun möchte, der diesem und  nicht der Menschenbrut folgt. Denn was soll aus einem Menschen werden, der in Abhängigkeit zu seinem Nebenmenschen steht? Kann je erwartet werden, dass er je sein Potenzial zu verwirklichen mag? Kann homo socialis überhaupt als homo superior bezeichnet werden?

Doch nicht das Kinde mit dem Bade will ich ausgießen, denn menschliche Gemeinschaft kann genossen werden, ohne dadurch seinen Geist einnehmen zu lassen. Wir können Amüsement und Detachiertheit miteinander tanzen lassen, wie ein Paar auf dem Parkett und doch die Trennung der beiden, diese heilsame Zweiheit, die wir nicht in eine Einheit überführen lassen dürfen, bewahren und dabei kultiviert bleiben. und dies ist durchaus auch im Sinn der Welt zu verstehen, meine Freunde. Halte es mit dem Glauben! Doch was heißt Glaube? Es ist der Realität des eigenen Erlebens und Denkens und Fühlens sicher zu sein und diesen zu folgen und ihnen zu vertrauen, auch wenn kein anderer zustimmen sollte. Konsens impliziert nicht Richtigkeitk, Mehrheitsmeinung hat nichts mit wahr oder richtig zu tun. Dieser Illusion verfalle nicht. Die Wahrheit wird von einzelnen, nicht von der Masse gefunden. diese orientiert sich am Niedersten, doch du strebe nach dem Höchsten. Sei im Geiste nicht gesellig, halte dich an dich selbst und lass die Welt ihren Geschäften nachgehen - es sind ja nicht deine, sie sind einem Wesen fremd.

Werde jeden Tag neu geboren, habe Mtu und Glaube - du musst alles, was Sicherheit gibt aufgeben, alles was Illusion bei dir ist. Als höherer Mensch dringst du zur Wirklichkeit des Menschen vor - dies sei dein Bestreben. du stehst in der Tradition von Sokrates, Platon, Seneca, Montaigne, Spinoza, Kant, Kierkegaard, Nietzsche, Freud und Fromm. Willst du wissen, wer deine geistigen Väter sind, wer auf dem Pfad, den du gehst, vorangeschritten ist, dann sind dies die eben genannten. Fühlst du denn Ohnmacht in dir? Sei dir sicher, dass es eine Täuschung ist, denn wie könntest du je ohne Macht sein? Aktivismus, Streben nach Kontrolle? Darüber lachst du schallend. Streben nach dem schnöden Mammon? Lass die Kaufleute ihre schäbigen Gewerbe treiben und Marktschreierei betreiben - dich berührt davon nichts. Torheit ist das Streben nach Erfolg, das Streben nach Glück ebenso - wie kann den darin der Sinn bestehen?

Nutze deine Überschuss an Lebenskraft weise, lass dich nicht dazu hinreißen dich in verderbliche Machenschaften hineinreißen zu lassen. Betäube dich nicht und tue es nicht den Massen gleich, die nur sich abzulenken wissen - nur in der Schöpferkraft alleine liegt die Tätigkeit, die deiner würidg ist. Strebe nach Leben! aber dem Leben, das sich über das Leben erhebt, strebe stets danach zu üerwinden, nicht zu genügen. Doch lass nicht die Gier in dir einkehren - denn was ist sie anderes als die Ausgeburt des Lebensfrustes und der Angst? Solches soll dir fremd sein. Du weißt wer du bist, darum brauchst du dich nciht anzufüllen mit dem Unrat und dem Schrott, den dir die Welt anzubieten hat. Die Menschen früherer Zeiten lebenten noch mit einem vollen Herzen in einer leeren Welt, doch heute ist es so weit gekommen, dass sie mit leeren Herzen in einer leeren Welt leben. Ist es da ein Wunder, dass sie alles haben und sich hineinstopfen wollen? Sie haben viel und sind doch nichts! Das ist die  Tragödie des homo normalis. Hüte dich davor, je zu diesen Erbärmlichen, zu diesen Ängstlichen und Entleerten dich zu gesellen.

Auch seiest du kein Rollenspieler, kein Partikularmensch, sondern eine Einheit zu jeder Zeit an jedem Ort. Dein Ja sei ein Ja, dein Nein ein Nein. Lass nicht zu, dass du in Rollen und Funktionen verfällst, dass du dich selbst als Mittel benutzt, doch  deiner selbst entfremdest und so wirst wie die anderen, die außer Haus andere sind, als in diesem, die bei der Arbeit andere sind als im Freundeskreis. Ein Ganzes, ein werdender Mensch ist immer derselbe, immer ganz er selbst mit denken, fühlen und handeln - und komme was da wolle, daran festhält.

Erlebe die Welt als das, was sie ist; sieh vor allem den Menschen ganz, als das einmalige Phänomen, das er ist - nicht so wie der neurotische Mensch, er zwischen Dingen und menschlichen Wesen nicht zu unterscheiden vermag. Für solche  gefallenen Kreaturen ist der andere wie ein Ding, das er benutzt. Sich selbst ist er jedoch ebenso nur dergestalt bekannt. Da lob ich mir doch noch das Böse, denn das Böse ist noch das Beste am heutigen Menschen - zeigt sich doch darin noch seine Menschlichkeit.

Werde du ganz, der du bist, erkenne das, was du in der Welt siehst auch als zu dir gehörig, sieh alle Höllen und Himmel - denn sie sind ebenso in dir. So wie alle Menschen Heilige sind, sind auch alle Verbrecher. Hast du dies erkannt und kannst es zulassen nicht vor dieser Erkenntnis in dir selbst zurückzuschrecken, bist du bereit dich zu transzendieren und zum wahren Menschen zu werden. Du wirst jener Mensch werden, der in dir angelegt ist - das heißt es ein Werdender zu sein!



L.Q. Cincinnatus.