Meine Freunde! Die Welt ist nicht mehr dieselbe, die sie
noch vor kurzer Zeit, vor einigen Jahren, war. Versteht mich nicht falsch: ich
meine hier nicht den allgemeine Wandel der Zeiten, wie er sich zu allen Zeiten
an allen Orten in mehr oder weniger großer Geschwindigkeit abspielt. Nein! Es
geht um einen fundamentalen Wandel, der sich in der Geschichte der Menschheit
nur sehr selten ereignet und dessen letztes Beispiel so weit in der Vergangenheit
zurückliegt, dass es niemanden mehr gibt, der sich noch daran erinnern könnte. Das
Bewusstsein der Menschen ist dabei sich zu ändern und zwar sprunghaft, so wie
wir es das letzte Mal vor einigen Jahrtausenden erlebt haben. Wir sind dabei
endlich erwachsen zu werden und die kindlichen Anschauungen, wie etwas die
Vorstellung von Gut und Böse, vom Dualismus, dem Getrenntsein und vielen
anderen Dingen, zu überwinden. Sensiblen Menschen ist diese Entwicklung schon
seit geraumer Zeit klar und sie hat auch bereits vor einigen Jahrzehnten
begonnen, doch nun hat sie eine derartige Stärke erreicht, dass immer größere
Teile der Menschheit davon auch bewusst erfasst werden. Sich dem zu widersetzen
und in alte dogmatische Verhaltensmuster, in das Festhalten an den Dingen und
Vorstellungen, zurückzufallen, kann nun sehr gefährlich werden, sowohl für das
Individuum, als auch für das Kollektiv.
Viele Menschen spüren heute eine unbeschreibliche Art von
Unfreiheit – doch diese Unfreiheit, hinter der das nagende Gefühl der Angst
steckt, ist bei den meisten recht unbestimmt, eher eine dem Leben zugrunde
liegende Stimmung, die mal mehr, mal weniger bewusst ist und deren Ursachen den
wenigsten bekannt sind. Meist wird dieses Gefühl auf die bestehenden Umstände
projiziert, die Politik, die Wirtschaft, die Reichen, die Mächtigen, die
Menschen im eigenen Leben – alles mögliche kann als Projektionsfläche für die
eigene Angst hergenommen werden. Doch was sind die wahren Ursachen dafür, dass
die meisten Menschen heute, vor allem in Anbetracht einer sich sehr schnell verändernden
Welt, in der sie verzweifelt absolute Wahrheiten suchen, an denen sie sich
festhalten können, ein Unbehagen spüren, das noch weitaus größer ist, als das
vor vielen Jahrzehnten von Freud beschriebene „Unbehagen in der Kultur“, bzw.
das „Unbehagen in der bürgerlichen Gesellschaft“ nach Erich Fromm?
Die Antwort ist im Grunde ganz einfach: Es ist die Illusion
der Trennung von anderen Menschen und den Dingen im Universum, die Vorstellung
als eigenständiges Individuum zu existieren, und die Verbundenheit mit allen
nicht zu erkennen. Rein optisch betrachtet ist dieser Irrtum verständlich und
gerade im Westen gehört die Ansicht, dass alles im Universum eins ist, nicht
zur Tradition, schon gar nicht seit Körper und Geist im 17. Jahrhundert
getrennt wurden und sich das auf den menschlichen Geist so desaströs
auswirkende naturalistisch-materialistische Weltbild durchgesetzt hat. Zwangsläufig
mit dieser Sicht der Welt verbunden ist das Urteilen und damit die Feststellung
einer Differenz zwischen einem gewollten, bzw. vorgestellten und einem
festgestellten Zustand. Wir leiden nicht an den Dingen an sich, sondern an
unserer Bewertung von ihnen. Sobald wir eine Vorstellung von einer Sache habe,
uns einbilden, wie sie sein sollte, und wir dann erkennen, dass dem nicht so
ist, so ärgern wir uns. Die Feststellung der Ungleichheit von unserer
Vorstellung und der Wirklichkeit, veranlasst und zu leiden. Leid ist
größtenteils auf falsche Vorstellungen von der Realität zurückzuführen. Gingen
wir urteilslos, vor allem vorurteilslos und erwartungslos durch die Welt, würde
keiner von uns leiden. Dem Buddhismus ist dies seit Jahrtausenden bekannt und
er lehrt seit dieser Zeit unentwegt unter anderem gerade diese Weisheit.
Ärger bedeutet an der Vergangenheit zu leiden, es bedeutet
Leid dabei zu empfinden, dass die Dinge nicht so gekommen sind, wie sie
erwartet wurden. Angst bedeutet leiden an der Zukunft. Sowohl Vergangenheit,
als auch Zukunft liegen außerhalb unserer Kontrolle. Bilden wir uns also ein
diese doch kontrollieren zu können, entstehen entweder Angst oder Ärger – beide
sind unnütz und unvernünftig, zeigen sie doch, dass wir nicht bereit sind die
Realität zu akzeptieren. Liegt eine Sache in unserer Kontrolle, haben beide
Emotionen ebenfalls keinen Sinn. Können wir eine Sache ändern, dann sollten wir
es einfach tun und keine Energie darauf verschwenden irgendjemandem, auch uns
selbst, Vorwürfe zu machen. Können wir eine Sache nicht verändern, nützen Ärger
und Angst ebenso wenig etwas. Im Grunde ist das Leben ganz einfach, es ist nur
unsere Identifikation mit dem, was wir glauben wir selbst zu sein (dem Ego),
das uns dazu bringt, dass wir leiden. Würden wir kein Ego mehr haben, wäre es
unmöglich in irgendeiner Art zu leiden.
Es ist klar, dass all dies sehr theoretisch klingt – die
Schwierigkeit liegt denn auch tatsächlich größtenteils in der Umsetzung, in der
Anwendung in der Praxis. Unseren Geist darauf zu trainieren derart souverän wie
ein buddhistischer Mönch, ein Samurai oder ein Weiser alter Zeiten durchs Leben
zu gehen, erscheint uns derart schwer, dass wir gar nicht erst damit beginnen.
Auf der anderen Seite sind viele im Zweifel darüber, ob es sich überhaupt
lohnen würde, seinen Geist derart zu zähmen. Würden wir dann nicht zu
emotionslosen Wesen werden, die irgendwie abgehoben, weltentfremdet „schweben“
würden? Ist nicht gerade das Leid ein Teil des Lebens, liegt nicht gerade auch
in ihm eine gewisse Würze? Ein abgebrühter Geist mag so denken, man versucht
aus einer Not eine Tugend zu machen, ganz im existenzialistischen Sinne
versuchen viele so die Bürde des Lebens derart zu schultern und empfinden sich,
wie Sartre, als Helden, wenn ihnen dies gelingt. Doch lassen wir uns davon
nicht täuschen, im Grunde sind dies alles Rationalisierungen, Dinge, die sich
ein flinker Geist ausgedacht hat, um Leid besser zu ertragen. Doch das Leben
sollte nicht darin bestehen Leid zu ertragen, sondern zu lernen, wie es ganz
aufgelöst werden kann. Das ist die via regis, der Königsweg, der einzige, der
zum wahren Glück führt.
Gleiches verbindet sich mit Gleichen, heißt ein alter
Spruch der Chemiker, was vor allem für die Unterscheidung von polaren und
unpolaren Strukturen gilt. Im Volksmund spricht man auch von „Gleich und gleich
gesellt sich gern“. Auf unseren Fall übertragen bedeutet dies, dass wir, wenn
wir unserer Intuition vertrauen, bzw. diese überhaupt erst einmal kennen
lernen, sofern sie uns bisher unbekannt oder unverlässlich zu sein scheint, wir
im Einklang mit der universalen Entwicklung des menschlichen Bewusstsein gehen
und damit den „Sprung“ mitmachen, anstatt ihm zu widerstehen. Damit ist nicht
gemeint, dass wir einem Trend oder gar einer Mode auf der Oberfläche der Welt
folgen, sondern, dass wir uns im Einklang mit allen Dinge sehen uns nicht mit
den Phänomenen identifizieren, sondern die zugrunde liegenden geistigen
Strukturen erkennen und dort daran arbeiten die Welt zu einem besseren Ort zu
machen. Das bedeutet einen Paradigmenwechsel, weg vom gewöhnlichen (säkularen)
Aktivismus, hin zur Arbeit im „Quantenfeld“, der „Gottesmatrix“ (früher hätte
man auch von „Äther“ oder „Lichtäther“ gesprochen) oder wie auch immer der
allumfassende Geist genannt werden mag. Dieses Feld reagiert vor allem auf
unsere Gefühle, das Energiezentrum dazu ist das Herz. Auf das Herz zu hören ist
also keine Gefühlsduselei, kein Wahn, sondern eine Technik, um mit der Natur zu
arbeiten. Genaueres ist im Internet etwa auf der Homepage von Gregg Braden,
oder auf diversen Youtube-Kanälen zu erfahren. Dies hier soll nur ein kleiner
Denkanstoß sein, darüber nachzudenken, was unserer Welt wirklich zugrunde
liegt, was „Realität“ eigentlich ist.
Ja, euer lieber Cincinnatus ist ein sehr spiritueller
Mensch und wenn bisher einige von Euch auch gemeint haben sollten, ich sei ein
Materialist, so muss ich sie hiermit leider enttäuschen. Doch Enttäuschungen
gehören im Grunde zu den besten Dinge, die uns im Leben passieren können,
beenden sie doch, wie der Name schon sagt, ein Täuschung und können und dadurch
die Augen für die Wahrheit öffnen. Das gilt gleichermaßen für die Einschätzung
von Personen, wie von den Umständen in der Welt.
Euer L. Q. Cincinnatus
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